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Bilder von A. - 05/2012

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Liebe in der Sphäre der Poesie

Barbara Honigmann erinnert sich in „Bilder von A.“ an eine unmögliche Liebesgeschichte.

Von Klaus Kastberger

Deutsches Theater in Ostberlin, Anfang der Siebzigerjahre. Eine junge Frau, Mitte zwanzig und ein berühmter Regisseur, über vierzig Jahre alt, verheiratet, lernen einander kennen und lieben. Während der über dreißig Jahre dauernden Beziehung verbringen sie eine einzige Woche in Moskau als Paar. Ansonsten heißt es: „Nur kein Alltag, sondern nur Poesie! Nur Kleist“

Theater und Kunst

Im Buch wird der Geliebte nur mit dem Anfangsbuchstaben seines Vornamens genannt, aber er ist unschwer als Adolf Dresen erkennbar, von 1965 bis 1977 Regisseur am Deutschen Theater. Freilich scheint nicht nur der Vorname unaussprechlich. Die Eltern der jungen Frau können nicht verstehen, dass sich die Tochter ausgerechnet in einen Deutschen verliebt, dessen Vater Soldat war. Sie selber sind jüdischer Herkunft und aus dem englischen Exil in den Osten Deutschland zurückgekehrt. Die junge Frau und A. verbindet ihre Leidenschaft für das Theater und die Kunst. Sie weiß noch nicht, wohin ihr Weg führen wird, sie schreibt und malt, auch von A. hat sie Bilder gemalt, ein besonders schönes, der „Radfahrer“, findet sich auf dem Umschlag des Buches. Heinrich von Kleist ist die zentrale Spiegelfigur, in dem eine ganze Künstlergeneration das eigene Lebensgefühl wiederfindet, in der Unmöglichkeit „mit uns selbst und der Welt, in der wir lebten, eins zu sein.“ Und so sind die „Bilder von A.“ von Barbara Honigmann auch eine Hommage an diesen Dichter, den sie als „Genossen“ sahen im Kampf für ein besseres Deutschland.
Als beide schon längst die DDR verlassen haben, er als Regisseur in Wien und anderswo arbeitet, sie in Straßburg lebt, beide längst in anderen Beziehungen, schreiben sie sich immer noch, begegnen sich aber nur ein paar wenige Male. Die Differenzen werden immer deutlicher, er nimmt ihre Hinwendung zum jüdischen Glauben nicht ernst, sie zweifelt an seinem poetischen Lebenskonzept und beendet die Korrespondenz. Von seinem Tod erfährt sie aus der Zeitung.
Barbara Honigmann ist mit „Die Bilder von A.“ ein ebenso melancholisches wie leichtes Buch über eine unmögliche Liebe gelungen, die exemplarisch auch ein Stück deutscher Zeitgeschichte erzählt.


Bilder von A.
Von Barbara 
Honigmann
Hanser 2011

211 S., geb., 
e 17,40
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