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Blumkas 
Tagebuch - 05/2012

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Würde für jedes Kind

Von Heidi Lexe

Am 5. August ist es 70 Jahre her, dass Janusz Korczack gemeinsam mit Zöglingen des von ihm geführten Waisenhauses aus dem Warschauer Ghetto ins Konzentra-tionslager Treblinka deportiert wurde. Die Tatsache, dass der polnische Arzt sich selbst durchaus hätte retten können, hat ihn zu einer Ikone gewaltlosen Widerstandes gemacht. Eine Stärke von Iwona Chmielewskas großformatigem Buch jedoch ist es, über Janusz Korczak eben nicht von diesem heroischen Ende her zu erzählen.
Bereits von 1912 an leitete Janusz Korczak das Waisenhaus Dom Sierot in Warschau, in dem die hier erzählte Geschichte des Mädchens Blumka verortet wird. Aufgeblättert wird – Seite um Seite – ihr Tagebuch, wobei die Doppelseiten des Buches selbst nicht den Tagebuchseiten entsprechen, sondern die Illustrationen und kurzen Textpassagen wie aus diesem Tagebuch herausgefallen erscheinen. Ausgehend von einer Fotografie stellt Blumka sich selbst, elf andere Kinder und letztlich „unser[en] Herrn Doktor“ vor und kombiniert Details der kindlichen Biografien dabei mit kleinen alltäglichen Begebenheiten. Die haptische Qualität des Tagebuchs wird im materiellen Charakter der 
Illustrationen gespiegelt: Fein schraffierte Figuren werden in den leeren Raum meist faserigen Tonpapiers gesetzt; aus den linierten Blättern des Tagebuchs hingegen entstehen kleine Papierinstallationen, die Motive des Geschilderten aufgreifen und weiterführen.

Eigene Schublade

Entsprechend bruchstückhaft erscheinen Blumkas Erinnerungen und entsprechen damit auch dem pädagogischen Konzept von Janusz Korczak. Ihm war an keinem geschlossenen Theoriegebilde gelegen, sondern daran, ethische Haltungen zu überprüfen, wenn er in seinen pädagogischen Veröffentlichungen ebenso wie in seinem praktischen Handeln das Recht des Kindes auf Achtung betont hat: „Es ist der Herr Doktor, der sagt, dass jedes Kind das Recht hat, seine Träume und Geheimnisse für sich zu behalten.“ Daher besitzt im Waisenhaus „jedes Kind seine eigene Schublade, in die niemand schauen darf.“ Es macht die Besonderheit des Buches aus, dass diese beiden zusammengehörigen Informationen nicht nebeneinandergestellt, sondern in Text und Bild immer wieder Details aufgegriffen und neu platziert werden. In dieser Form des nicht-linearen Erzählens bleibt jedes Kind mit seiner Würde präsent – ganz dem antihierarchischen Erziehungskonzept Korczaks entsprechend, in dessen Waisenhaus es zum Beispiel ein Kindergericht gegeben hat. In der künstlerisch seelenvollen Gestaltung des Buches wird die historische Dimension dieses pädagogischen Konzeptes umso deutlicher, als die Fiktionalität von Blumkas Erzählen nie infrage gestellt wird.


Blumkas 
Tagebuch
Von Iwona 
Chmielewska

Gimpel 2011
66 S., geb., 
e 30,80

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