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Wie alles kam - 49/2012

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Brillante Erzählungen

Henry James erweist sich als Meister des psychologischen Realismus.

Von Daniela Strigl

Der New Yorker Henry James (1843–1916) ist in deutschen Landen nicht so populär wie seine englische Vorfahrin Jane Austen, obwohl auch seine berühmtesten Romane – wie „Portrait of a Lady“ oder „Washington Square“ – verfilmt wurden. James erweist sich auch in seinen brillanten Erzählungen als ein Meister des psychologischen Realismus, fünf davon sind nun erstmals auf Deutsch zu entdecken.

Wahrheit der Leidenschaft

Die Titelgeschichte „Wie alles kam“ ist ein Echo des um 1900 grassierenden spiritistischen Fiebers, das der Autor freilich nicht als Krankheit diagnostiziert: Eine Frau erzählt von einer guten Freundin, die als Kind in einer Vision ihren Vater sah, von dessen Tod im fernen England sie bald darauf erfahren musste.
Einem Freund der Erzählerin ist durch den Geist seiner Mutter Ähnliches geschehen. Der Versuch, die beiden zusammenzubringen, schlägt über Jahre fehl, bis die Erzählerin sich mit dem Mann verlobt und die übersinnlich begabte Freundin ihm – vor oder nach ihrem Tod, das ist die Frage – endlich begegnet.
Leibhaftige Untreue mit einer Toten: Henry James verlässt hier nonchalant das Revier des Realismus und zollt der Wahrheit der Leidenschaft Tribut. Der Erzählerin bleibt nichts als Entsagung.
So ergeht es auch Leutnant Raymond Benyon, der seiner reichen Braut versprechen musste, ihre heimliche Heirat sein Lebtag geheim zu halten. Während er zur See fährt, kommt ihr Kind im Ausland zur Welt, wird versteckt und vergessen. „Georginas Gründe“ bleiben ihm rätselhaft, auch als er nach Jahren entdeckt, dass sie eine zweite Ehe eingegangen ist. Sein Versprechen hindert Benyon daran, die Bigamie aufzudecken – und das Mädchen zu heiraten, das er liebt.
Sein und Schein, falscher Ehrgeiz, versäumtes Leben. Nicht monströs, aber doch irritierend selbstbewusst wie die Heldinnen Marie von Ebner-Eschenbachs wirkt jene junge Dame, die beginnt, die engstirnige Mittelmäßigkeit ihres reichen Verlobten zu durchschauen. Sie verzichtet auf eine gutgepolsterte Zukunft, um einem genialen Hungerleider Modell zu sitzen, der ihr als „Botschafter der geheimnisvollen Unermesslichkeit des Lebens“ erscheint.


Wie alles kam
Erzählungen von Henry James
Aus dem Engl. v. Ingrid Rein
Manesse 2012. 476 S., geb., e 23,60
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