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Der Verruf - 45/2012

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Unter Verdacht

In György Spirós Roman führt eine Namensver-wechslung zum Vorwurf- der „kontrarevolutionären Aktivität“.

Von Janko Ferk

György Spirós „Der Verruf“ ist das erste Werk aus dem Nischen Verlag des Ehepaars Paul Lendvai und Zsokica Lendvai. Ein Könner hat es geschrieben und ein kompetenter Übersetzer aus dem Ungarischen übertragen, nicht zuletzt hat es keine Unbekannte lektoriert, nämlich Trautl Brandstaller. Das Buch ist auch handwerklich gut gemacht, in Leinen gebunden und mit ansehnlich gestaltetem Schutzumschlag. Der Verlag wird nicht lang ein Nischendasein führen, wenn das Verlegerpaar so weitermacht.
György Spiró ist in Ungarn kein unbedeutender Autor. Bekannt ist er vor allem als Dramatiker, dessen Stücke auf zahlreichen Spielplänen stehen. „Der Verruf“, sein erstes ins Deutsche übersetzte Buch, erzählt die spannende und unheimliche Geschichte des exemplarischen Antihelden Ingenieur Gyula Fátray, der die entscheidenden Wochen des Ungarnaufstands im Jahr 1956 im Krankenhaus verbringen musste, aber im April 1957 wegen einer Namensverwechslung der „kontrarevolutionären Aktivität“ verdächtigt und von seinem Arbeitsplatz entfernt wird.

Untätig bei Ungarnaufstand

Er war weder Täter noch Opfer und gerät mit seiner Ehefrau trotzdem in eine bedrohliche Situation. Wehrlos und von allen verlassen, sieht er ein gefährliches Verfahren auf sich zukommen. Wie in George Orwells „1984“ liebt der Maschinenbauingenieur zuletzt auch in diesem Buch den „Großen Bruder“ und marschiert am 1. Mai 1957 schon brav an der Tribüne der Staats- und Parteiführung auf dem Budapester Heldenplatz vorbei.
Spiró schildert die Zerstörung von Existenzen, die Wechselfälle von blinder Unbarmherzigkeit und die alles beherrschende Atmosphäre von Argwohn und Verdacht in einer Diktatur, die den Vorläufer des sogenannten Gulaschkommunismus in den Jahren von 1962 bis 1989 darstellt.
Die historischen Vorgänge werden geradezu akribisch nachgezeichnet, das Kolorit des Revolutionsjahres wird durch die Details verdichtet. Besonders interessant ist die Darstellung der Mächte, die auf die Menschen einwirken, und des unbändigen Herrschaftsanspruchs. Die Darstellungsweise bleibt im gesamten Text realistisch, der somit einen literarischen Beitrag zur Debatte über János Kádárs Erbe liefert.


Der Verruf
Von György Spiró. Illustriert von Zoltan Kemeny. Übersetzt von Ernö Zeltner. Nischenverlag 2012.
300 S., geb., 
e 22,80
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