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Stefan Zweig – Formen einer Sprachkunst - 45/2012

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Gerechtigkeit für Stefan Zweig

Rüdiger Görner zeigt Stefan Zweig als moralische Instanz und formbewussten Autor.

Von Anton Thuswaldner

Nein, dass Stefan Zweig ein Fall für die Unterhaltungsindustrie sei, dass er seine Bücher sich dem Publikum fahrlässig anbiedernd verfasst habe, dass er ein biederer Moralapostel gewesen sei, all diese Vorwürfe lässt Rüdiger Görner nicht gelten. Also schreitet er zur Tat und schreibt eine Monografie, die Zweig als einen ernsthaften Zeitgenossen ins Gedankenspiel bringt. Er macht das so überzeugend, wie es nur einem vorzüglichen Kenner des Werkes gelingen kann, und er unternimmt das mit einer solchen Leidenschaft, wie es nur einer vermag, dem es um etwas geht. Görner nimmt Zweig ernst als einen, der fest auf dem Boden des Humanismus steht und aus diesem historischen Bewusstsein einzugreifen versucht in den Lauf der Welt, dem er früh schon die verhängnisvoll eingeschlagene Richtung ansieht. Geläutert durch die katastrophalen Zeitumstände wird Zweig zum Vordenker einer europäischen Zivilgesellschaft ganz im Sinne von Jürgen Habermas viele Jahrzehnte später, „die sich von nationalen Erwägungen emanzipiert und europäisch engagiert.“
Dass Zweig als moralische Instanz auftritt mit dem Anspruch, die Leser aufzurütteln, sie zu denkenden Teilhabern der Gesellschaft zu machen, rechnet ihm Görner hoch an, zumal er ihm auch jene ästhetischen Qualitäten zuspricht, die ihm von missgünstigen Lesern aberkannt werden. Jetzt wird tatsächlich der Sprachkünstler Zweig erkennbar, der formbewusst vorgeht und sprachliche Präzisionsarbeit leistet. Wie bedacht Zweig das Handwerk der Aufklärung betreibt, zeigt sich in der polemischen Abwertung der Flut von Manifesten, die mit dem Anspruch, nichts Geringeres als die Welt zu retten, um die Aufmerksamkeit der Leser buhlen. Darauf antwortet er, der Ungeduldige, mit einem „Lob der Geduld“, so Görner, weil in Manifesten nur Meinungen, „aber keine gereiften Einsichten“ festgehalten seien.

Aufregende Einsichten

Der Ungeduldige, der zur Geduld auffordert, das ist nur eine der widersprüchlichen Haltungen, in denen sich Zweig verfängt. Görner stellt uns keinen geschlossenen, runden Charakter vor, er lässt ihm seine Brüche im Denken und kühnen Sprünge, mit denen er Unvereinbares einfach überwindet. So kann man Zweig gleichermaßen beim Denken beobachten und sieht mit Staunen, wie sich eine Entwicklung einstellt. Ein überraschendes Buch mit aufregenden Einsichten.

Stefan Zweig – Formen einer Sprachkunst
Von Rüdiger Görner

Sonderzahl 2012. 167 S. , kart., e 16,–
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