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Der unvergessene Mantel - 18/2012

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Fussball unbekannt

Von Karin Haller

Erinnerungen können verschiedene Farben haben. Manche sind leuchtend bunt, andere schwarz-weiße Scherenschnitte, manche undeutlich graue Schemen.
Die Erinnerungen von Julie O’Connors an die letzten Sommermonate ihrer Grundschulzeit tragen den verwaschenen braungelben Ton der Polaroid-Aufnahmen, die ihr zum Anlass für das Erzählen dieser Geschichte werden. Die Geschichte ihrer Freundschaft zu Dschingis und Nergui, zwei Brüdern aus der Mongolei, die eines Tages trotz glühender Hitze in Fellmützen und langen Mänteln in der englischen Kleinstadt auftauchen.
Julie wird zur „guten Ratgeberin“ auserkoren, die ihnen dabei hilft, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Und die dabei auch viel von ihnen lernt – über die Mongolei, wie man einen Adler ruhig hält oder einen Dämon überlistet.

Zarter Erzählton

Als die beiden Jungen ausreißen, spürt Julie sie auf und bringt sie nach Hause zurück. Nicht ahnend, dass die Fremdenpolizei die Kinder mit ihrer Familie abholen und in die Mongolei zurückschicken wird. Der Dämon, vor dem sie sich fürchten, vor dem sie fliehen, er hat sie am Ende doch gefunden. Zurück bleibt nur Dschingis’ Mantel, unvergessen bis zu dem Tag, an dem die erwachsene Julie die Brüder über facebook wieder ausfindig macht …
Dem englischen Autor, der sich 2004 mit „Millionen“ sein Publikum erobert hat, ist ein ganz besonderes Stück Literatur gelungen. Einerseits fühlt sich der Erzählton zart und behutsam an, vermittelt die Ruhe und Intensität, die auch die abgebildeten Polaroids ausstrahlen – Fotografien aus der englischen Umgebung, die auf fast mystische Art zu Bildern aus der Mongolei werden.

Hintergründige Komik

Andererseits ist dem Text eine hintergründige Komik unterlegt, die vor allem dort aufbricht, wo es um die Begegnung zwischen den Kulturen geht. Wenn herauskommt, dass Fußball in der Mongolei unbekannt ist, was einen Mitschüler zu Tränen rührt. Oder wenn Julies Mutter den Brüdern Fischstäbchen anbietet, sofern es nicht gegen ihren Glauben verstieße: „‚Gibt es in diesem Land einen Glauben, der Fischstäbchen verbietet?‘, erkundigte sich Dschingis.“
Bemerkenswerte Charaktere, witzige Situationen und die Unaufdringlichkeit der Botschaft eines sich gegenseitig bereichernden Miteinanders machen diese berührende Freundschaftsgeschichte zu einem Buch, das einem mit Sicherheit in Erinnerung bleibt.


Der unvergessene Mantel
Von Frank Cottrell Boyce
Übersetzt von Salah Naoura
Carlsen 2012. 112 S., geb., e 12,30
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