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Du blutest, 
du blutest - 18/2012

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Gewalt und Terror

Michaela Falkners 
grammatisch aufgerissene Prosa erspart dem Leser nichts.

Von Evelyne Polt-Heinzl

Die 1970 in Oberösterreich geborene Performerin und Autorin Michaela Falkner hat sich in Interviews wiederholt als News-Junkie geoutet, süchtig nach „TV-Bildern und Nachrichtenlektüre“, die sie mit zahlreichen Zeitungsabonnements befriedigt. In allen Medien aber nehmen die Meldungen über Gewaltexzesse an Kriegsschauplätzen und Krisenherden, in Folter- und Eigenheimkellern an Zahl, Ausführlichkeit und Drastik fortwährend zu. Hemmschwellen des guten Geschmacks sind schon hier längst gefallen, ganz zu schweigen von den Perversitätenseiten, die sich im Netz finden lassen.
Konzentrierte sich Michaela Falkners literarische Berichterstattung im letzten Buch „Kaltschweißattacken“ (2009) auf das „Kriegsgebiet der Beziehungen“, ist der Begriff im neuen Band „Du blutest, du blutest“ nicht mehr metaphorisch gesetzt. Den entlastenden Hinweis auf bildhafte Rede hat Falkner allerdings schon 2009 zurückgewiesen: „Blut ist in meinen Büchern Blut, Liebe ist Liebe, Zorn ist Zorn. Metaphern interessieren mich nicht, mein Interesse an der Welt ist grenzenlos.“ Blut fließt im neuen Buch, den Titel erfüllend, denn auch überaus reichlich, die Welt allerdings scheint dabei ein wenig abhandenzukommen. Das Setting ist so klar wie abstrakt: Ein Staatsstreich, brutalste Säuberungen, Folterszenen, auch mediengestützt und mit Public Viewing, Massenhinrichtungen, willkürliche Selektionen, und alles ohne Rücksicht auf Alter oder Geschlecht.

Verrohte Sitten

Einer, der es irgendwie überlebt hat, ist Ivan, er flieht in die Wälder, holt einige Kinder dazu und führt in einer Mischung aus Kindersoldat und Gang-Chef das Terrorregime der Erwachsenenwelt fort. Erspart bleibt dem Leser dabei nichts: Der grammatisch aufgerissene, um Satzzeichen unbekümmerte Textfluss verquirlt Orgien an Gewalt und Perversitäten, Kannibalismus, Selbstverstümmelungen, Nekrophilie samt einem Karussell aus Leichenteilen und einen Massenselbstmord am Ende. Das alles wohlgeordnet in 32 Textabschnitten und einem Finale – eine durchdachte Konstruktion also, auch wenn nicht ganz klar ist, wozu sie dient.
Dass verrohte Sitten in Zeiten blutiger Diktaturen Kinderseelen zerstören, hat jedenfalls Gisela Elsners Roman „Fliegeralarm“ über das NS-Terrorregime, auf das auch Falkner einige Male am Rande anspielt, schlüssiger, weil mit Blick auf das gesellschaftliche Rundum beschrieben. Michaela Falkners radikale Isolation der Gewaltorgien von politischen Kontexten lässt den Leser erschlagen und hilflos zurück. Und auch wenn bei Elsner kaum Blut fließt, ist ihre Beschreibung letztlich um einiges radikaler.


Du blutest, 
du blutest
Von Michaela Falkner 
Residenz 2011

118 S., geb., 
e 19,90
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