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Arbitrage - 06/2013

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Doppelmoral der Upper Class

Nicholas Jarecki blickt in „Arbitrage“, einem Mix aus Drama und Thriller, 
hinter die Fassade eines Geschäftsmannes und Familienmenschen.

Von Walter Gasperi

Den Titel seines Spielfilmdebüts hat Nicho--
las Jarecki der Wirtschaftswelt entnommen, in der mit Arbitrage das Ausnutzen von Preis--
unterschieden für gleiche Waren auf verschiedenen Märkten bezeichnet wird. Der New Yorker Milliardär Robert Miller (Richard Gere) hat sich dabei aber verkalkuliert und musste für seine Firma einen hohen Kredit aufnehmen. Um dennoch schadlos davon zu kommen, versucht er sein Unternehmen zu verkaufen, bevor die Manipulationen an den Firmenbüchern publik werden. Der potenzielle Käufer zögert aber.
In seinem Anwesen in der Nähe von New York lässt sich der Hedgefonds-Manager, der auch junge Künstler ebenso wie Wohltätigkeitsveranstaltungen finanziell großzügig unterstützt, aber nichts von seinen geschäftlichen Problemen anmerken. Jarecki präsentiert ihn in diesem Umfeld als einen Menschen, dem die Familie über alles geht. Er feiert mit seiner Frau (Susan Sarandon) sowie den zwei 
erwachsenen Kindern und Gästen seinen 60. Geburtstag und betont, wie wichtig ihm die Familie sei.

Trugbild Familie

Wie aber das Bild des erfolgreichen Geschäftsmannes schon am Beginn als Fassade entlarvt wurde, so erweist sich auch diese Familienidylle rasch als Trugbild, denn lieber als mit Frau und Kindern verbringt Miller seine Zeit doch mit der französischen Galeris-tin Julie (Laetitia Casta).
Ganz auf diesen mit allen Wassern gewaschenen Taktiker fokussiert Jarecki, baut um ihn herum die Handlung auf. Vertrauen kann er dabei auf einen großartigen Richard Gere, dem diese Rolle genauso auf den Leib geschrieben ist, wie vor 33 Jahren die des „American Gigolo“, mit der er sein Image prägte. Keinem anderen Schauspieler könnte es wohl gelingen, einem im Grunde zutiefst unsympathischen Menschen, der vor keinem miesen Trick zurückschreckt, so viel Charme zu verleihen, sodass er den Zuschauer doch zumindest teilweise auf seine Seite ziehen kann. Einen Denkzettel wünscht man ihm vielleicht, aber kaum den Untergang.
Den Druck, unter dem Miller, der nie die Contenance verliert und nie in sein Inneres blicken lässt, von Beginn an steht, lässt Jarecki den Zuschauer fast physisch spüren und erhöht ihn in der Folge sukzessive. Denn zu den geschäftlichen Problemen kommt, dass er in übermüdetem Zustand auf einer nächtlichen Landstraße mit seiner Geliebten in ihrem Wagen verunfallt. Während sie dabei ums Leben kommt, flüchtet er, ohne Hilfe zu verständigen. Doch die Polizei findet am Unfallort Indizien, die darauf schließen lassen, dass nicht die Frau am Steuer saß, und ein Detective (Tim Roth) beginnt zu recherchieren. So entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem einerseits der Polizist versucht Miller zu überführen, andererseits der Verdächtige Finten und Tricks entwickelt, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
In seinen eleganten Bildern und dem Blick auf das Oberschicht-Milieu bietet „Arbitrage“ klassisches Hochglanzkino, aber Jarecki verweilt eben nicht auf dieser glatten Oberfläche, sondern deckt dank eines cleveren Drehbuchs mit präziser Figurenzeichnung und einigen überraschenden Wendungen prägnant die Gegensätze zwischen Sein und Schein auf, macht nüchtern und klar die Doppelmoral sichtbar und wirft Fragen nach Vertrauen auf. Inszenatorische Mätzchen, Effekte und Spektakel sind nicht nötig, wenn Miller bis an den Rand des Abgrunds gedrängt wird und schließlich auch familiäre Konflikte ausbrechen.

Schnörkellos erzählt

So klassisch das auch inszeniert ist, so packt „Arbitrage“ doch dank der schnörkellosen und ökonomischen Erzählweise. Auf Neben-geschichten verzichtet Jarecki, entwickelt dafür die realistisch anmutende Geschichte, die am Beginn durch die Musik von Cliff Martinez vorzüglich unterstützt wird, ohne jeden Anflug von Sentimentalitäten konsequent weiter. Sicher hält der 34-jährige New Yorker die Fäden in der Hand, erzählt elegant und mit Drive, nur die direkten Konfrontationen zwischen Miller und seiner Frau beziehungsweise seiner Tochter wirken etwas statisch und einfallslos inszeniert, bieten andererseits aber wieder Susan Sarandon und Brit Marling, die sonst in diesem Mix aus Drama und Thriller hinter dem übermächtigen Gere zu kurz kommen, die Gelegenheit für große Auftritte. Eindrücklicher Gegenpart zur Figur Geres ist aber vor allem Tim Roth als Detective, der sich in seinem Hass auf die Upper-Class zunehmend in diesen Fall verbeißt.

Arbitrage
USA 2012. Regie: Nicholas Jarecki.
Mit Richard Gere, Susan Sarandon,
Polyfilm. 107 Min. Ab 15.2.
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