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3096 Tage - 09/2013

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Crime sells, Sex erst recht

Von Otto Friedrich

N ach der Nacht, in der Michael Haneke und Christoph Waltz im Filmolymp ankamen, wurde Österreichs kleine Welt mit der „Weltpremiere“ von „3096 Tage“ behelligt. Tagelang zuvor hatte man sich etwa beim Fellner-Boulevard gütlich tun können, der die nun via Spielfilm adaptierte achtjährige Gefangenschaft von Natascha Kampusch zu hypen gesucht hatte. Während sich das Premierenpublikum dem Film widmete, strahlte der ORF einmal mehr ein exklusives Interview des Natascha Kampusch-Verstehers Nummer eins aus. Dort erfuhren wir bei Christoph Feurstein in „Thema“, warum Kampusch die Zustimmung zu diesem Film gegeben hatte. Der Erkenntnisgewinn blieb zwar endenwollend, aber geschäftsfördernd war es zweifellos allemal.

„3096 Tage“ stammt aus der Produktion Bernd Eichingers, der selber am Drehbuch schrieb, als er Anfang 2011 unerwartet verstarb. Die Eichinger-Handschrift blieb dem Projekt erhalten, auch wenn man Sherry Hormann, die schon im Waris-Dirie-Biopic „Die Wüstenblume“ als Filmbiografin reüssiert hatte, für die Regie gewinnen konnte. Eichinger war, wie man weiß, dem Geschäft verpflichtet. Und Crime verkauft sich gut und natürlich noch besser: Sex. Dass Letzterer nicht immer explizit, aber völlig unverhohlen die Folie bildet, auf der im Film die Leidensgeschichte der Kampusch erzählt wird, wundert also kaum.
Psychogrammatische Tiefgänge, um die Handlungen und Befindlichkeiten von Opfer oder Täter nachspürbar zu machen, werden selbstredend kaum versucht. Der Film müht sich auch nicht, zumindest das Lokalkolorit und austriakisches Idiom einzufangen, dass eine Grande Dame österreichischen Schauspiels, Erni Mangold, als Großmutter Wolfgang Priklopils engagiert wurde, erscheint wie ein Betriebsunfall des Casts.
Am ehesten gelingt es den beiden Darstellerinnen der Protagonistin, der Britin Amelia Pidgeon (10-jährige Natascha) und der Nordirin Antonia Campbell-Hughes (jugendliche Kampusch), die Beklemmung des klaustrophobischen Settings zu vermitteln. Aber keine Spur einer Deutung des Geschehens. Solche kann wohl gerade im Film nur in einer künstlerischen Näherung geschehen, die fast zwangsläufig bedeuten würde, sich von einem pseudo- und quasidokumentarischen Gestus zu verabschieden, dessen sich „3096 Tage“ beflissen zu eigen macht. Man denke an die grandiose Verstörung, die Markus Schleinzer in seiner Parabel „Michael“ vor zwei Jahren gelang. Gemessen an dieser künstlerischen Tat ist „3096 Tage“ nichts als ein läppischer Versuch der Aufarbeitung. Allerdings war „Michael“ an der Kino*kasse ein Fiasko. Man argwöhnt daher: Zum Geschäft wird ein Film bestenfalls in der Fortführung des Eichinger’schen Duktus, wie es eben „3096 Tage“ darstellt.


3096 Tage
D 2013. Regie: Sherry Hormann.
Mit Antonia Campbell-Hughes, Thure Lindhardt, Amelia
Pidgeon, Dearbhla Molloy. Constantin.
109 Min
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