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Reise nach Kalino - 06/2013

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Simulation statt erleben

Radek Knapp schrieb einen vergnüglichen Gegenwartsroman.

Von Daniela Strigl

Vor neun Jahren hat der in Wien lebende Warschauer („Franio“, „Herrn Kukas Empfehlungen“) mit „Papiertiger“ seinen letzten erzählenden Text publiziert. Nun ergreift Radek Knapp endlich wieder das Wort: „Reise nach Kalino“ ist ein hintersinniger Detektivroman auf der Spur unserer Zeitmisere, ein pfiffiger Kommentar zu Rundum-überwachung, Bodymaximierung und Konsumlethargie. Der unterbeschäftigte Held Julius Werkazy, dem sein Name wie ein schlechtes Pseudonym erscheint und der einen inadäquaten Hang zu teurem Cognac hat, wird von F. Osmos, dem Gründer des sagenumwobenen, von der Welt abgeschotteten Zwergstaats Kalino, zu Hilfe gerufen. Es gab dort einen, angeblich den ersten, Toten. Aber ist Mord überhaupt möglich, wo die Menschen den Tod nicht kennen? Die Bewohner Kalinos erweisen sich nämlich als optimierte Sterbliche von ewiger Jugend, braungebrannt, topfit und faltenlos – weshalb sie die zerknitterten Leute von draußen „Papiergesichter“ nennen.
Nach und nach entfaltet Radek Knapp mit Witz und Einfallsreichtum Osmos’ Kosmos, der vom unsrigen gar nicht so weit entfernt ist: Die Kalinianer simulieren alles, auch den Sex, anstatt es zu erleben, sie beziehen Glücksdrogen über das Handy, signieren im Café mit ihrer DNA, wünschen statt „Gute Nacht“ eine „ausgewogene Schlafperiode“, nehmen Extrakt-Nahrung zu sich und werden von „Perfektionsdienern“ überwacht, kurzum: der Garten Eden sieht dagegen aus „wie ein billiger Würstelstand“.

Sympathischer Loser

„Reise nach Kalino“ ist kein Zukunfts-, sondern ein dystopischer Gegenwartsroman- von erstaunlicher Vergnüglichkeit. Mag sein, Wer-kazy hat etwas von Raymond Chandlers- Marlowe, die Zwangsbeglückung in Kalino- erinnert an Aldous Huxleys „Brave New World“,- und angesichts des keimfreien Scheinidylls kann man auch an Peter Weirs Film „Die Truman-Show“- denken.
Aber Familienähnlichkeit sagt nicht alles. Das Buch hat eben auf unverwechselbare Weise Radek Knapp geschrieben und darin die schön ausgedachte Wunderwelt mit einem sympathischen Loser aus Fleisch und Blut konfrontiert, der am Ende ausnahmsweise gewinnt: ein Papiergesicht, aber kein Papiertiger.



Reise nach Kalino
Roman von Radek Knapp
Piper 2012
254 S., geb., € 20,60
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