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Die Jagd - 14/2013

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Beklemmung und Bedrängnis

In der Aufladung einer Missbrauchs-beschuldigung spricht weder der Zweifel für den Angeklagten noch wird die beschuldigte Seite gehört.


Von
Otto Friedrich

Zwei Experten, die es wissen, bestätigen, wie realistisch Thomas Vinterberg das – im übertragenen Sinn – geradezu klaustrophobische Setting der Lage des Kindergärtners Lucas geraten ist (vgl. die FURCHE-Debatte oben). Und für den Zuschauer im Kinosaal sind die Beklemmung und Bedrängung bis knapp vor dem Ende von „Die Jagd“ kaum zu ertragen. Wahrscheinlich kommt man der Thematik aber auch nicht anders bei, als das scheinbar unbeteiligte Publikum doch an der Ausweglosigkeit teilhaben zu lassen, mit der ein mutmaßlicher Missbrauchstäter wie Lucas konfrontiert ist. Ein Fanal gegen die Schwarzweißmalerei ist der neue Film von Vinterberg, ein Plädoyer für in dubio pro rheo und audiatur et altera pars. Aber man ahnt, dass in der Aufladung einer Missbrauchsbeschuldigung weder der Zweifel für den Angeklagten spricht noch die beschuldigte Seite gehört wird: Äußert ein Kind Eindeutiges, was nur als sexueller Missbrauch zu qualifizieren ist, dann setzen Sicherungsmechanismen, die die Gesellschaft vor Jus-tiz--
irrtümern schützen sollen, aus.
Und umgekehrt liegt der Vorwurf, einen Missbrauch ungeahndet zu lassen wie ein Damoklesschwert über solchem Setting. Vinterberg, der ja schon in seinem Dogma-Film „Das Fest“ (1998) den Finger in diese gesellschaftliche Wunde gelegt hat, nimmt sich nun sozusagen der Kehrseite des Problems an. Bestechend wahrhaftig.

Szenario eines Missbrauchsfalls


Lucas, 40, hat eine schwierige Scheidung hinter sich. Er versucht nun, als Kindergärtner, in einer neuen Beziehung sowie als liebender Vater seines Teenager-Sohns Marcus wieder Fuß zu fassen.
Doch als die kleine Klara, Tochter seines besten Freundes Theo, der Kindergartenleiterin Grethe erzählt, er habe ihr seinen Penis gezeigt, beginnt einem Film gleich das Szenario eines Missbrauchsfalls abzulaufen. Lucas erhält keine Chance, sich zu erklären, er ist auch seinerseits wie gelähmt – und der ganze Ort wendet sich gegen ihn. Kaum jemand glaubt, dass er unschuldig sein könnte. Er scheint menschlich wie beruflich existenziell erledigt – ohne die Chance auf das, was man „ein faires Verfahren“ nennt.
Neben dem Regisseur ist es vor allem das Schauspiel von Mads Mikkelsen, der den Protagonisten darstellt, welcher der „Jagd“ die beklemmende Authentizität verleiht. Dieser Mime und sein Regisseur schonen ihr Publikum nicht. Zu Recht. Und unnachahmlich.
Dass Mikkelsen bei den Filmfestspielen von Cannes 2012 als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde, ist da nur folgerichtig.


Die Jagd (Jagten)
DK/S 2012. 
Regie: Thomas Vinterberg.
Mit Mads Mikkelsen, Susse Wold, Thomas Bo Larsen, Lasse Fogelstrøm. 

Thimfilm. 111 Min.
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