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Golden Door - 28/2007

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Gelobtes Land
Emanuele Crialese entzaubert mit der Auswanderer-Parabel „Golden Door“ den amerikanischen Gründungsmythos.
Von Jürgen Belko

Träneninsel“ nannten amerikanische Einwanderer zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihre erste Station auf dem Weg in die „Neue Welt“. Nach der Ankunft auf Ellis Island entschied sich das Schicksal von Millionen Auswanderern, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben ihre Heimat verlassen und den Sprung über den Großen Teich gewagt haben. Eine zweiminütige Befragung, ein medizinischer Test – und für die Behörden stand fest, wer „nützlich“ genug war, um Bürger im Gelobten Land zu werden.
Diese Atmosphäre hat der italienische Regisseur Emanuele Crialese nun in seinem Auswanderer-Drama Golden Door eingefangen und zu einer Geschichte über einen Mann verarbeitet, der auszieht, um sein Glück zu suchen. Mit seiner Familie und jeder Menge falscher Erwartungen im Gepäck macht sich der sizilianische Bauer Salvatore in das Land der (scheinbar) unbegrenzten Möglichkeiten auf. Doch der Neuanfang gestaltet sich anders als erwartet: Nach einer entbehrungsreichen Überfahrt finden die Einwanderer nicht die erhofften „Flüsse aus Milch und Honig“ vor, sondern müssen ein entwürdigendes Ausleseverfahren über sich ergehen lassen: So genannte „Intelligenztests“ sollen verhindern, „dass sich Schwachsinnigkeit genetisch auf die Bevölkerung überträgt“, wie ein Beamter den Neuankömmlingen erklärt. Trotz dieses historisch verbrieften Einbürgerungsprozederes ist Golden Door nicht als politisch-soziales Pamphlet zu verstehen. Vielmehr geht es Crialese darum, das Zusammentreffen unterschiedlicher kultureller Identitäten zu zeigen – das alte, rückständige Europa und das moderne, aufstrebende Amerika. Als Chiffre dafür steht die von Charlotte Gainsbourg überzeugend verkörperte Lucy, die Salvatore den Kopf verdreht. Die rothaarige Halbengländerin hebt sich nicht nur optisch, sondern auch durch ihr mondänes, weltgewandtes Auftreten deutlich von der Masse der archaischen Landbevölkerung ab, sitzt aber – im wahrsten Sinn des Wortes – im „selben Boot“ mit ihnen.
Ebenso ausdrucksstark wie die Figur der Lucy ist auch die im Film verwendete Bildsprache. Den visuellen Kompositionen von Agnés Godards Kamera ist es zu verdanken, dass der elegische, teilweise spröde Duktus des Films angenehm aufgebrochen wird. Mit seinem erst dritten Spielfilm ist Crialese zwar ein Einwanderer-Epos gelungen, das ohne Glorifizierung des amerikanischen Gründungsmythos auskommt. Ob beim Publikum jedoch mehr als die metaphorische Ästhetik seiner fabelhaften Erzählung in Erinnerung bleiben wird, ist fraglich.

GOLDEN DOOR – Nuovomondo
IT/F 2006.
Regie: Emanuele Crialese.
Mit Charlotte Gainsbourg, Vincenzo Amato, Aurora Quattrocchi.
Verleih: Filmladen. 118 Min.
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