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Confession - 27/2013

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Rockstar als traurig
verliebter Libertin

„Confession“: Pete wird zu Peter Doherty. Ob der mutierte Name reicht, um aus dem Exzess-Rocker einen Filmschauspieler
zu machen?


Von Otto Friedrich

Libertin, so mag die korrekte Bezeichnung des Protagonisten in Alfred de Mussets autobiografischem Roman „Bekenntnis eines jungen Zeitgenossen“ sein. Im Prinzip beschreibt der französische Romantiker (1810–57) darin seine Leidenschaft für George Sand und deren Scheitern. Octave, so heißt der Jüngling in der Romanvorlage, gerät ob der entdeckten Untreue seiner geliebten Elise in die Krise, bis er sich daraus durch die wahre Liebe zur jungen Witwe Brigitte zu befreien sucht. Diese Befreiung konterkariert sein „Freund“ Desgenais nach Kräften.
Octave gibt sich – auch aus Verzweiflung – der Ausschweifung hin. Und was in der ers-ten Hälfte des 19. Jahrhunderts recht war, sollte für einen, der es diesbezüglich wissen muss, billig sein: Sylvie Verheyde, die aus dem romantischen Roman einen Film des 21. Jahrhunderts machen will, wurde daher in der Person von Pete Doherty fündig, der weniger als Rockstar, denn ob seiner Alkohol- und Drogenexzesse notorisch ist: Da ist einer, der nur sich selbst spielen muss, mag die Idee der Caster für die Rolle des Octave gewesen sein. Und so kommt der Musiker zu seiner Spielfilmrolle.
Im Vorhinein hätte man sich das Enfant terrible kaum als schmachtenden Romantik-Jüngling vorstellen mögen, aber Doherty, der seinem Bühnen-Vornamen Pete mit einem R am Schluss offensichtlich etwas seriöser aussehen lassen will, schafft die Amateurrolle in „Confession“ doch einigermaßen bravourös. Dass über dem Ganzen ein filmischer Schleier liegt, dafür kann Peter Doherty wohl wenig. Auch dass ihn in der Rolle der Brigitte mit der Vollblutmimin Charlotte Gainsbourg und mit dem Vollblutschauspieler August Diehl als Desgenais zwei Profis an die Wand spielen, ist nicht seine Schuld. Diese Konstellation lässt den braven (!) Darsteller jedenfalls blasser erscheinen, als seine Schauspielleistung tatsächlich einzuschätzen ist. Wobei die fahle Maske, hinter der sich ein vorgeblich zerbrechlicher Charakter verbirgt, durch die Visagistinnen zusätzlich verstärkt wird (die Twilight-Saga lässt grüßen). Aber wie sonst wäre die Schwülstigkeit der Existenz und die Schwüle einer Liebe darzustellen?

Reale und irreale Ausschweifungen

Was Regisseurin Verheyde gelingt, ist, das doch einigermaßen düstere Lebensgefühl der Romantik ins Bild zu setzen. Davon lebt „Confession“ – und nicht von der Handlung – Literatur des 19. Jahrhunderts lässt sich kaum eins zu eins in Filmdramaturgie umsetzen: Die Behauptung von Sylvie Verheyde, sie sei von der Vorlage nicht abgewichen, kann auch als Drohung verstanden werden. Bilderausschweifung bietet der Film allemal, aber Peter Doherty nimmt man die Ausschweifung nur selten ab.
Dafür waren die Dreharbeiten in Regensburg offenbar dementsprechend. Dort wurde eine „b’soffene G’schicht“ der Darsteller Doherty und Diehl gerichtsanhängig, weil sie das Schaufenster einer Musikhandlung zertrümmert und verwüstet hatten. Die Staatsanwaltschaft beantragte dazu jedenfalls einen Strafbefehl wegen „fahrlässigem Vollrausches“. Der Vorfall passt zum Film, obwohl man dem Octave auf der Leinwand solche Rüpelei eigentlich nicht zutraute.


Confession 
(Confession of a Child of the Century)
F/D/GB 2012. Regie: Sylvie Verheyde.
Mit Peter Doherty, August Diehl, Charlotte
Gainsbourg, Lily Cole. Thimfilm. 115 Min.
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