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La Grande Bellezza - 30/2013

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Ewige Stadt in der Hängematte

Mit seinem neuen Film „La Grande Bellezza“ schafft Paolo Sorrentino ein verführerisches Tableau des dekadenten modernen Rom.


Von Magdalena Miedl

Nachts Cocktails trinken auf den schönsten Terrassen der Stadt, bei Koks und Pasta über den Lebenssinn schwadronieren, am Tisch mit Kardinälen, Schriftstellerinnen und Zuhältern, und doch so unendlich gelangweilt: In „La Grande Bellezza“ drapiert Paolo Sorrentino das Dasein der römischen High Society in einematemberaubenden Bilderreigen auf die Leinwand, am Beispiel eines intellektuellen Playboys in der Midlife Crisis: Das Leben von Jeb Gambardello (Toni Servillo) ist eine Abfolge von berauschten Festen und dem darauf folgenden Kater.
Als junger Mann kam er nach Rom, mit einem Roman im Gepäck, für den er als Literaturwunder gefeiert wurde. Inzwischen ist Jeb 65, zehrt immer noch von seinem damaligen Ruhm, muss sich aber in die Niederungen des Kulturjournalismus begeben, um exaltierte Aktionskünstlerinnen und Theatermacher zu porträtieren.
Kein Gesellschaftsausschnitt wäre geeigneter, um die Eitelkeit irdischen Strebens plakativ zu demontieren: Da schmeißt ein heulendes kleines Mädchen literweise Farbe auf die Leinwand, höflich beklatscht und betuschelt von der Künstlerschickeria, und nur die von Jeb zur Party mitgebrachte Nackttänzerin erkennt, dass die Tränen des Kindes echte Verzweiflung bedeuten. Schon im nächsten Moment entführt Jeb die Tänzerin aber auf einen Rundgang zu privaten Kunstschätzen in römische Kirchen und Paläste, zu denen ein Bekannter die Schlüssel aufbewahrt, ein weiteres Beispiel von Irrwitz und Plattitüde.
Sorrentino beschreibt eine Elite, die im Bewusstsein des nahenden Untergangs paralysiert dahockt, ein Bild, so der Regisseur, „für die Situation, in der sich Italien befindet, nämlich dem Verpassen von Gelegenheiten, während sie ihre Zeit mit sinnlosem Blabla verschwenden“. Vergleiche mit Fellinis „La dolce Vita“ und „8 1/2“ drängen sich auf, und Sorrentino nennt auch Rosselinis „Rom, offene Stadt“ als Inspiration: „Diese Filme vermitteln ein Gefühl der Freiheit, als wäre man nicht nüchtern oder betrunken, sondern in einem besonderen Zwischenzustand“.

Wechsel von Naivität und Abgeklärtheit

Wie Schatten an der Wand wechseln sich Naivität und Abgeklärtheit ab, eine steinalte Mutter-Teresa-artige Heilige tritt auf, eine echte Giraffe verschwindet, in dekorativen Szenenabfolgen, die formal oft an der Grenze zum Parfumwerbespot sind: „La grande Bellezza“ ist ein lustvolles Spektakel mit Pailletten und Champagner, der Schönheit Orangen pflückender Nonnen, kosmetischer Chirurgie und Seitenhieben auf den Vatikan.
Jeb ist auf der Suche nach „La grande Bellezza“, der „großen Schönheit“, sei es die der Frauen, des Daseins, oder der Ewigen Stadt. Entsprechend eröffnet Paolo Sorrentino seinen Film mit einem schweren Fall von Stendhal-Syndrom, jener Kreislaufstörung, die bei kultureller Überwältigung eintritt: Ein Frauenchor, die Augustsonne, die Pracht Roms, und der archetypische japanische Tourist knipst das letzte Foto seines Lebens und kollabiert. Die zweieinhalb Stunden „La grande Bellezza“ könnten auf Übersensible ähnlich wirken.


La Grande Bellezza
I 2013. Regie: Paolo Sorrentino.
Mit Toni Servillo, Carlo Verdone.
Filmladen. 142 Min.
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