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727 Tage ohne Karamo - 36/2013

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Liebe ohne Grenzen

In „727 Tage ohne Karamo“ porträtiert Anja Salomonowitz binationale Paare, die trafpolizeilich unter Generalverdacht stehen. Ein Film über Liebe, die den Staat zum Gegner hat.

Von Jürgen Belko

„Ich persönlich bin an diesem Fremdenrecht gescheitert“ – lautet das ernüchternde Fazit einer Protagonistin in Anja Salomonowitz’ Doku „Die 727 Tage ohne Karamo“, die den Kampf binationaler Paare gegen den heimischen Bürokratie-Dschungel in den Kamerafokus rückt. Anhand konkreter Beispiele legt die preisgekrönte Austro-Regisseurin Strukturen offen, die einer „grenzenlosen“ Liebe zwischen österreichischen Staatsbürgern und Drittstaatsangehörigen im Weg stehen. Der Film greift dabei auf persönliche Erfahrungen von Betroffenen zurück, die sich in einen Partner verliebt haben, ohne ihn vorher nach seinem Reisepass zu fragen – und nun ihre Beziehung in Form einer Ehe in Österreich legalisieren wollen. Ein schwieriges Unterfangen: Nicht der Staat muss beweisen, dass jemand schuldhaft vorgeht, sondern die Paare müssen den Nachweis erbringen, dass sie aus Liebe heiraten und es sich nicht um eine Scheinehe handelt. Eine legale Ehe allein bedeutet aber noch nicht das automatische Recht auf einen Aufenthalt oder den Zugang zum heimischen Arbeitsmarkt – eine psychische und finanzielle Belastung, die viele Multikulti-Beziehungen auf eine harte Probe stellt.
Salomonowitz gibt in ihrem Plädoyer für die Liebe ohne Grenzen Einblicke in den Alltag von Menschen, die von den abstrakten Paragrafen konkret betroffen sind. Eine davon ist Textilrestauratorin Anna Femi-Mebarek, die das Einkommen für ihre sechsköpfige Familie allein verdienen muss, da ihr Mann einen Deutschkurs besucht, um die vorgeschriebene Integrationsvereinbarung zu erfüllen. Deprimiert rechnet die vierfache Mutter vor, dass sie 50 Stunden in der Woche arbeiten müsste, damit sie ein Mindesteinkommen erzielt, das den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Das Problem solcher Darstellungen: Aufgrund der komplexen Thematik sind die gezeigten (Einzel-)Fälle ohne juristische Vorkenntnisse schwer nachvollziehbar. Hinzu kommt, dass die Wiener Filmemacherin bewusst die Sichtweise der Behörden ausspart und weder Verantwortliche der Legislative noch der Exekutive zu Wort kommen. Nachfühlbar sind die individuellen Schicksale allemal, vor allem weil Salomonowitz durch die Protagonisten-Auswahl – vom trendigen Modedesignerpärchen bis zum tiefgläubigen Katholikenpaar – eines deutlich macht: Liebe folgt ihren eigenen Gesetzen.


727 Tage ohne Karamo
A 2013. Regie: Anja Salomonowitz.
Mit Zora Bachmann, Osas Imafidon.
Filmladen. 80 Min.
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