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Prisoners - 41/2013

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Der Dämon, drinnen im Menschen

Denis Villeneuve wirft in seinem meisterhaften Thriller „Prisoners“ anhand einer Kindesentführung bohrend moralische Fragen auf.

Von Walter Gasperi

Auf alles will der Handwerker Keller Dover (Hugh Jackman), der mit seiner Familie in einer Kleinstadt in Pennsylvania lebt, vorbereitet sein. Sein Keller ist randvoll gefüllt mit Vorräten, auch eine Gasmaske fehlt nicht. Doch gegen das, was dann passiert, gibt es keine Schutzmaßnahmen. Mit einer befreundeten Familie feiern die Dovers Thanksgiving. Die sechsjährige Tochter Anna zieht sich mit ihrer gleichaltrigen Freundin zum Spielen zurück. Als man die Mädchen wenig später sucht, bleiben sie unauffindbar. Die Polizei wird eingeschaltet und rasch erhärtet sich der Verdacht einer Entführung. Zwar verhaftet Detective Loki (Jake Gyllenhaal) mit dem geistig zurückgebliebenen Alex (Paul Dano) bald einen Verdächtigen, doch muss er diesen aus Mangel an Beweisen wieder freilassen. Keller Dover ist aber von Alex’ Schuld überzeugt, entführt den jungen Mann, sperrt ihn ein und foltert ihn, um die Wahrheit zu erfahren.
Gefangen sind in Denis Villeneuves packendem Mix aus Thriller und Charakterdrama nicht nur die Mädchen und der Verdächtige Alex, sondern alle Figuren. Nicht frei agieren können hier die Menschen, sondern werden getrieben von ihrer Verzweiflung und Wut, sind gebunden durch die Regeln des Polizeiapparats, beeinflusst von ihrer Vergangenheit und schweren Schicksalsschlägen. Tiefgläubig mag Dover sein, doch das bewahrt ihn nicht davor, dass die Entführung seiner Tochter den Dämon in ihm entfesselt. Ein Klima der Beklemmung evoziert Villeneuve auch durch die atmosphärisch dichte Einbettung in die winterlich kalte Kleinstadt. Stets grau ist der Himmel, karg die Vegetation und immer wieder regnet oder schneit es. Weitgehend auf fahle Braun- und Grautöne reduziert sind die Bilder von Kameramann Roger Deakins.

Kommentar zum „War on Terror“

Vor diesem Hintergrund entwickelt der Frankokanadier Villeneuve, der nach seinem aufwühlenden und oscarnominierten „Incendies – Die Frau, die singt“ mit „Prisoners“ seine erste Hollywood-Produktion vorlegt, langsam, aber hochkonzentriert die Handlung. Kein Detail ist überflüssig, perfekt greift bei Aaron Guzikowskis Drehbuch ein Rädchen ins andere, sodass trotz der beachtlichen Länge von 150 Minuten die Spannung konstant hoch gehalten wird.
Auf Actionszenen verzichtet Villeneuve weitgehend, vertraut auf ein bis in die Nebenrollen großartiges Ensemble und differenzierte Figurenzeichnung. Hier gibt es keine Schwarzweißmalerei, sondern ambivalent bleiben alle Charaktere und zunehmend verschwimmen die Grenzen zwischen Opfer und Täter. Auch als Kommentar zum „War on Terror“ der USA nach 9/11 kann „Prisoners“ dabei gelesen werden und fragt bohrend, wie man nach so einer Grenzüberschreitung weiterleben kann, gerade wenn sich die Gefolterten als unschuldig erweisen.


Prisoners
USA 2013. Regie: Denis Villeneuve.
Mit Hugh Jackman, Jake Gyllenhaal.
Tobis. 146 Min.
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