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Zurück zu einem unbekannten Anfang - 41/2007

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Eine Begegnung im Jetzt
Von Regine Bogensberger

Ein altes Paar sitzt vor der Kamera. Sie lächelt und sagt liebevoll: „Ich will nur bei meinem Toni sein und mit ihm alt werden.“ Ihr Toni sitzt mit nachdenklicher, fast bitterer Miene, daneben. Als sie die zärtlichen Worte spricht, bleibt sein Ausdruck starr.
Das Bild aus dem Dokumentarfilm „Zurück zu einem unbekannten Anfang“ drückt einprägsam die unterschiedlichen Welten aus, in denen die Alzheimer-Patientin und ihr sie pflegender und erschöpfter Partner sich befinden. Das Gesicht des alten Mannes vermittelt den Eindruck: „Es ist meine Pflicht, sie zu pflegen, aber es ist sehr schwer.“
Das betagte Kärntner Paar ist eines von fünf Familien, die im Film von Helmut Wimmer und Maria Hoppe in ihrem Alltag mit einem an Alzheimer erkrankten Menschen porträtiert werden. Die Handlungen der Menschen stehen im Zentrum; auch das stille, regungslose Verharren im Bett, ohne Musik und Erklärung, vermittelt einen Eindruck von der Lebenswelt eines Alzheimer-Patienten. Da geht etwa eine erkrankte Frau wiederholte Male das Stiegenhaus auf und ab, sie versucht die Kommunikation mit ihren sie pflegenden Angehörigen, sie nervt den Enkel. Dann geht sie wieder in ihren Wohnbereich wie in ihre eigene Welt, in der sie sich nicht mehr alleine zurechtfindet. Die Betroffenen, alle im fortgeschrittenen Stadium ihrer Krankheit, sprechen, so weit als möglich, für sich selbst. Dazu wird die Sicht der Angehörigen gestellt. Bei manchen Familien hätte man sich mehr Erklärung gewünscht: Wie begann die Krankheit, wie hat sich der Mensch in seiner fortschreitenden Orientierungslosigkeit und in seinem Erinnerungsverlust verändert, wer war der Mensch früher? Je länger der Film dauert, umso größer wird die Sehnsucht nach Bildern des gesunden Menschen.

Hingabe und Frust
Doch bewusst wurde das Jetzt ins Zentrum des Films gestellt. Die Bilder sollen aufzeigen, das „Leben mit Alzheimerkranken als Begegnungsmöglichkeit im Jetzt wahrzunehmen“, so der Anspruch des Films und eine Grundaussage des Konzeptes der Validation. Bei dieser Form der Kommunikation geht es um das Hineinfühlen in die Realität des an Demenz erkrankten Menschen, ihn dort abzuholen, wo er gerade steht.
Das Jetzt ist freilich oft erdrückend monoton und still. Die Überforderung der pflegenden Angehörigen, ihr Pflichtbewusstsein, aber auch ihre liebevolle Hingabe stehen ebenso für das Jetzt wie fröhliche Momente, Humor und Gemeinschaft. Da spricht ein altes Wiener Ehepaar über sein bisheriges gemeinsames Leben; die den kranken Mann pflegende Frau kommentiert ironisch die verwirrten Aussagen des Mannes. Das Lachen über diese Komik bleibt dem Betrachter im Hals stecken. In diesen Szenen wird auch Frust gegenüber dem Partner, der die Frau sozusagen im Stich gelassen hat, spürbar. Doch in einer anderen Szene blättern Mutter und Sohn gemeinsam im Fotoalbum, sie lachen. Die alte Frau erkennt sich selbst auf den Bildern nicht mehr: „Das bin ich?“
Alle fünf Alzheimerpatienten werden von ihren nahen Angehörigen zuhause gepflegt – als Spiegelbild der Pflegerealität des Landes. Das Pflegeheim kommt erst am Ende des Films fast bedrohlich ins Bild, als einer der Pflegenden stirbt.
Trotz realistischer Nahaufnahmen einer tragischen Krankheit gelingt es dem Dokumentarfilm aber auch, ihr etwas von ihrem Schrecken zu nehmen. Der Film zwingt zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Altern und jenem seiner Familie.


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A 2007.
Regie: Helmut Wimmer und Maria Hoppe.
Verleih: Polyfilm, 100 Minuten
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