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Schachnovelle - 40/2013

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Segen und Fluch einer Obsession

Stefan Zweigs berühmte Novelle über die Freiheit und ihren Preis.

Von Daniela Strigl

Die „Schachnovelle“ ist zweifellos Stefan Zweigs berühmtester Text, mit Curd Jürgens verfilmt, vielinterpretiert und bis heute als Schullektüre beliebt. Nun ist eine Ausgabe erschienen, die jene Fassung buchstäblich letzter Hand zuverlässig rekonstruiert, die der Autor am Tag vor seinem Selbstmord am 22. Februar 1942 in drei Abschriften im brasilianischen Persepolis zur Post brachte. Nicht, dass wir hier jetzt eine völlig neue „Schachnovelle“ zu lesen bekämen, aber es ist allemal ein guter Anlass für eine Relektüre.

Macht des Geistes

Dr. B., der Held der Geschichte, gilt weithin als ein Beispiel für die Macht des Geistes, für die Widerstandskraft des einzelnen gegen einen lückenlosen Unterdrückungsapparat. Der katholische Anwalt übersteht die Isolationshaft der Gestapo im Wiener Hotel Metropol mithilfe eines Schachlehrbuchs, das ihn, den Laien, dazu bringt, im Kopf monatelang einen aufreibenden Schachwettkampf gegen sich 
selbst auszufechten. In Wahrheit triumphiert Dr. B. nicht, er büßt durch die „Schachvergiftung“, zumindest vorübergehend, seinen Verstand ein. Immerhin beschert ihm seine Psychose die Entlassung aus der Haft und die Gelegenheit zur Ausreise.
Dies ist das Szenario der Rahmenhandlung, die mit einem anderen defekten Schachgiganten beginnt: Mirko Czentovic, der regierende Weltmeister, befindet sich mit dem Ich-Erzähler an Bord eines Schiffes mit Kurs Argentinien. Zweig schildert den jungen Mann als ungebildet, ja sogar geistig träge; nur eines kann er besser als alle anderen: Schachspielen, wie ein Automat, allerdings niemals „blind“. Als Czentovic von einigen Herren zu einer Partie gebeten wird, verhilft ein Unbekannter diesen zum Sieg: Dr. B., der dem Erzähler danach sein Schicksal berichtet. Bei der Revanche tags darauf reicht eine kleine Dosis für den dramatischen Rückfall in die Sucht.
Segen und Fluch einer Obsession: in dieser brillanten Studie über die Freiheit und ihren Preis fungiert das Schachspiel als Bild für menschliche Möglichkeiten – und ihre Grenzen. Ein letztes Mal kehrt Zweig hier zurück in seine verlorene Heimat, um das Scheitern zu feiern.


Schachnovelle
Von Stefan Zweig. Kommentierte Ausgabe. 

Hg. von Klemens Renoldner. 

Reclam 2013. 167 S., kart., € 5,00
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