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Master of the Universe - 50/2013

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Vom Rest der Welt 
völlig abgekoppelt

„Master of the Universe“: Die Finanzjongleure dieser Welt hatten ja bis 
vor kurzem Allmachtsfantasien. Marc Bauder dokumentiert einen davon.

Von Thomas Taborsky

Ein leergeräumtes Großraumbüro, unterteilt von zahlreichen Pfeilern. Auf einer Seite ist noch eine Metallstruktur vorhanden – für die Computerserver, schätzt der Mann vor der Kamera. Es dürfte ein Trading-Floor gewesen sein, der Arbeitsplatz der Börsenhändler, und in seiner Schlussfolgerung klingt er geradezu wie ein Archäologe. Was hier in einem Hochhaus im Frankfurter Finanzbezirk stattfindet, hat durchaus den Charakter einer Geschichtsstunde. Genauso ist es allerdings ein Lokalaugenschein: Die Dokumentation „Master of the Universe“ ist an einem Tatort, gemeinsam mit ihrem Sachverständigen und Kronzeugen, ihrem Täter und auch Opfer, vereint in einer Person. Rainer Voss heißt dieser, war Teil der jungen Generation, die mit den Computern Einzug in die Banken hielt, einer von jenen, die völlig neue Finanzprodukte erfanden: Nicht ohne Stolz erzählt er die Anekdote von seinen Öl-Bonds, die am Vorabend des Zweiten Golfkriegs noch wie eine Fantasterei ohne Nutz und Wert wirkten.
Später machte er die Internationalisierung der Branche mit und wurde vor kurzem, als er das Ende seiner Nützlichkeit erreicht hatte, von ihr ausgespuckt. Nun erklärt er anhand weniger Zahlen an der Fensterscheibe, wo die Spekulation beginnt, wie eine Zinswette abläuft und dass die Kämmerer der Kommunen gegen die Banken nur den Kürzeren ziehen können: „Sie können so ein Produkt nur einem Kunden verkaufen, dem solche Möglichkeiten nicht offenstehen“, fasst er das Geschäftsmodell zusammen. Ein zum Paulus gewandelter Saulus ist Voss nicht, vielmehr jemand, der illusionslos Klartext redet für jene, die es hören wollen – zu Bedingungen, die Filmemacher Marc Bauder demonstrativ zu respektieren hat.

Illusionslos Klartext geredet

Die Kontrolle gibt Voss nicht ab: Es sind reflektierte Gedanken, gewälzt und kondensiert. Mit ihrer Hilfe, in einfachen Worten, legt er dar, welche Mechanismen hinter den großen Schlagwörtern stecken. Die Bad Banks rechnet er vor, umreißt, mit welcher Art von Anleihen die Hedgefonds Griechenland ins Desaster trieben, oder wie das Dominospiel mit gigantischem Gewinnpotential aussieht, zu dessen Realisierung der Euro zerbrochen werden muss. Seine ganze Wucht erreicht der Film, sobald er den Erklärungen das Umfeld hinzustellt, das diese Dinge hervorbringt: Es ist die Innensicht aus jahrzehntelanger Erfahrung, auf das Hochgefühl im Moment, wenn der Deal abgeschlossen ist. Den allgegenwärtigen Druck. Und nicht zuletzt die Abkoppelung vom Rest der Welt. Letztere findet im Ort des Films eine eindrucksvolle Entsprechung: im verlassenen Bürogebäude, dessen Foyers, Korridore und Konferenzsäle von der Kamera ausgemessen werden.
Virtuos fügt Bauder das Vorgefundene, zum Beispiel die Aufnahmen leerer Archivregale, mit den Ausführungen von Voss zusammen, zieht nur das nötigste Material von außen heran. Auf diese Weise gelingt es „Master of the Universe“, sich in eine Reihe mit einem „Wall Street“ oder dem weit jüngeren „Margin Call – Der große Crash“ unter die essentiellen Filme über die Finanzwelt zu stellen. Mehr noch: Als Geschichtsstunde, die offen ihre Mechanik erkennen lässt, liefert er einen so aktuellen wie spannenden Beitrag zum Begriff der Zeitzeugenschaft.


Master of the Universe
D/A 2013. Regie: Marc Bauder.
Polyfilm. 88 Min.
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