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Nebraska - 06/2014

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A brada Weg – von Billings

OSCAR-ANWÄRTER I: Alexander Payne malt in seinem Road-Movie „Nebraska“ ein rührendes wie hinterfotziges Bild der US-amerikanischen Provinz – und eines Sturschädels darin.

Von Otto Friedrich

Dass es von Scheibbs nach Nebraska „a brada Weg“ sei, trällerte einst schon der hiesige Liedermacher Georg Danzer. Auch wenn Drehbuchautor Bob Nelson mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Ahnung von der metaphorischen Verklammerung der niederösterreichischen Kleinstadt mit dem Staat im Mittelwesten der USA hatte, zeigt sich Billings, Montana, doch einigermaßen verwandt damit: Von beiden Provinz-Orten ist es nämlich wirklich „a brader Weg“ nach Nebraska, und der mit der Zieldestination betitelte Film von Alexander Payne hat soviel gleichermaßen Rührendes wie Hinterfotziges an sich, dass man ihm jede der sechs Oscar-Nominierungen von Herzen vergönnt.
Woody Grant, ein grantelnder und vom Alkohol gezeichneter Alter eben aus Billings, hat eine Million Dollar gewonnen. So steht es zumindest auf einem Werbepros-pekt. Und Woody will nun – und sei es zu Fuß – nach Lincoln, Nebraska, um den Gewinn abzuholen. Dass der vermeintliche Lottoschein das Papier nicht wert ist, ficht den Alten nicht an. Und auch der geifernde Widerstand seiner Xanthippe namens Kate und von Ross, seinem verbitterten Älteren, fruchten irgendetwas. Immerhin erbarmt sich David, der Jüngere, des Dickschädels von Vater und fährt ihn gen Nebraska – und lernt so den Vater erst richtig kennen.

Eine allzu liebe Verwandschaft

Als sie in Hawthorne, Woodys Geburtskaff, Zwischenstopp machen, treffen Vater und Sohn auf die Vergangenheit – und vor allem auf eine liebe Verwandtschaft, die sich als gefährliche Drohung entpuppt. Wie die Geier sind sie hinter Woodys vermeintlichem Reichtum her; und als Ehefrau Kate und Sohn Ross nachkommen, ist das familiäre Chaos perfekt.
Doch auch eine fixe Idee ist eine Idee, und ebendieser hängt Woody schrullig und gleichzeitig berührend nach. Alexander Payne setzt dieses Tableau eines guten Dutzends zerplatzter amerikanischer Träume behutsam und gleichzeitig augenzwinkernd in Szene. Er verlässt sich auf Schwarzweiß, was „Nebraska“ jenen vierschrötigen Charakter verleiht, den auch alle Protagonisten ausstrahlen. Und Payne hat Schauspieler zur Hand, die das gewünschte Setting umsetzen und zum Leben erwecken. Bruce Derns geht in der Rolle des Woody völlig auf, Will Forte spielt David, den „guten“ Sohn, völlig plausibel, das gilt auch für Bob Odenkirk als dessen verbitterter Bruder Ross. Auch jeder einzelne aus der hundsgemeinen Sippschaft, in die Woody in seinem Heimatort gerät, ist kongenial besetzt. Und gar nicht zu vergessen June Squibb als Woodys keppelnde Kate: Es würde einen ganz und gar nicht wundern, wenn sie den Nebenrollen-Oscar, für den sie nominiert ist, auch nach Hause brächte.
Das US-amerikanische Landleben ist nicht mehr das, was es einmal war. Und auch nicht eine vorgebliche Idylle: Die haben ja die Gebrüder Coen wiederholt entzaubert. Alexander Payne tut es ihnen hier auf seine Art nach.


Nebraska
USA 2013. Regie: Alexander Payne.
Mit Bruce Dern, Will Forte, June Squibb.
Polyfilm. 115 Min.



Kritik zu Gerhard Polts „Und Äktschn!“ siehe letztwöchige FURCHE.
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