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Nymph()maniac 1 - 08/2014

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Obsession, nicht enden wollend

„Nymph()maniac 1“: Lars von Trier erweist sich auch bei der filmischen Aufarbeitung von Sexualität als Besessener. Ein Urteil über das Opus muss aber noch ausbleiben.


Von Otto Friedrich

Natürlich ist viel Show dabei, wenn ein Film promotet wird. Lars von Trier erweist sich da allemal als guter Mitspieler. Und das Arthaus-Kinopublikum, das vom dänischen Filmberserker ja schon beinah alles gewohnt ist, wird wohl kaum damit zu erschrecken sein, was nun unter dem Titel „Nymph()mani-ac“ ins Kino kommt.
Vorab klargestellt: Kein Porno liegt hier vor, auch wenn Lars von Trier sein jüngstes depressives Opus so tituliert hat. „Nicht enden wollend“ charakterisiert das Ganze schon viel besser, denn den Film gibt es in zwei Teilen (der zweite kommt in ein paar Wochen ins Kino) und außerdem in einer Hardcore- und Soft-Version, die sich am ehesten durch die Länge, aber wohl kaum durch die Explizität unterscheiden dürften. Man wird auch in der softeren Variante mit allerlei Koitussen oder einer allenfalls ethno-anatomisch interessanten Penisgalerie beglückt.
Eigentlich aber ist die sexuelle Aufladung von „Nymph()maniac“ zu Promotion-Zwecken eher ärgerlich. Denn sie weckt nicht nur falsche Erwartungen, sondern verstellt den Blick auf das, wovon Lars von Trier in diesem Film einmal mehr erzählt: von existenzieller Suche, vom Herunterbrechen einer vermeintlich so hehren menschlichen Grundgegebenheit wie Sexuali-tät auf das Banale bloßer Befriedigung für einen Augenblick – und die Sehnsucht nach dem gewissen Mehr, das so etwas wie erfülltes Menschsein ausmacht. All das wird in der destruktiven Pose, die Lars von Trier auch hier auskostet, negiert.
So weit, so erwartbar. Eigentlich kann man jedoch nach „Nymph()-
-maniac 1“ noch keine abschließende Beurteilung abgeben, denn der Film hört so abrupt und ohne Ende auf, dass man förmlich zu Teil 2 hingezwungen wird – ob man sich nun darauf freut oder nicht.
Der Junggeselle Seligman (Stellan Skarsgård) findet die zerschundene und halb bewusstlose Joe (Charlotte Gainsbourg) auf der Straße, nimmt sie zu sich nach Hause, wo sie zur Lebensbeichte einer Nymphomanin ansetzt. „Nymph()maniac 1“ behandelt die Jugendjahre der Lasterhaften, ihre Erlebnisse in reiferem Alter solle dann in Teil 2 gezeigt werden.

Mit allen Wassern gewaschen

Zunächst aber tritt Joe vor allem als junge Unschuld, die kein Wässerchen trüben kann, gespielt von Stacy Martin, vor die Kamera. Aber schon in dieser Jugend geht es kopulationsmäßig zur Sache. Mit der Freundin B (Sophie Kennedy Clark) wettet Joe um ein Sackerl Schokolinsen: Wer während einer Zugsfahrt mehr wildfremde Männer vernascht, soll es gewinnen …
Zwischen solchen Sexspielen, einer aufzuarbeitenden Familien-geschichte oder einer durchaus erotischen, aber zunächst gar nicht sexuellen Geschichte mit dem Unternehmersspross Jerôme (Shia LaBeouf) changiert Lars von Trier.
Neben all der Denunziation von Sex als Nebenhersache wie als Obsession blitzt in mancher Konstellation durch, welches Genie dieser Lars von Trier auch ist: Die nimmersatte Joe hat sich ihre Begegnungen mit unterschiedlichen Männern quasi im Stundentakt eingeteilt. Den einen, H, muss sie los werden, bevor der nächste kommt. Doch ihr unverblümter Rausschmiss fruchtet nichts: H kommt wieder, hat Frau und Kinder verlassen – da steht plötzlich Mrs. H (großartig: Uma Thurman) mit den beiden Buben des Paares vor der Tür, und ein köstlich sur-reales wie skurriles Setting entsteht, das seinesgleichen sucht – und sich dann noch verschärft, als der nächste Begattungskandidat dann wirklich anläutet.
Allein ob der beschriebenen Szene, die gleichzeitig so viele existenzielle Fragen entlarvt, könnte man „Nymph()maniac 1“ weiterempfehlen. Aber, wie gesagt, dann muss man sich auch den Besuch von Teil 2 schon im Kalender vormerken.


Nymph()maniac 1
DK/F/B/D 2013. Regie: Lars von Trier.
Mit Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgård, Stacy Martin, Uma Thurman, Shia LaBeouf.
Filmladen. 110 Min.
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