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Wer, wenn nicht wir? - 41/2007

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Den Ort noch nicht gefunden
Rosemarie Poiarkov erzählt in „Wer, wenn nicht wir?“ nichts Spektakuläres:
Eine Frau schwebt zwischen den Optionen, von denen sie keine ergreift.
Von Evelyne Polt-Heinzl

Erzählung nennt Rosemarie Poiarkov ihr Buch „Wer, wenn nicht wir?“ und das ist durchaus sympathisch; 128-Seiten-Bücher werden von jungen Autorinnen und Autoren rasch als Roman ausgewiesen. Und Poiarkov hat sich unüblich viel Zeit gelassen. Sechs Jahre sind seit ihrem Prosadebüt mit dem Erzählband „Eine CD lang“ vergangen, der 12 als Liebesgeschichten bezeichnete Live-Berichte aus der von Clubbings zu One-Night-Stands und retour hastenden jungen Szene. Auch wenn das neue Buch wohl noch nicht der große Wurf ist, hat sich die relativ lange Latenz gelohnt. Die Sprache ist ruhiger und konkreter geworden, die grammatikalischen Hoppalas weniger und die Erzählstruktur komplexer.

„Familiengeschichten waren modern“, heißt es einmal, und auch „Wer, wenn nicht wir?“ ist eigentlich eine. Die Erzählerin ist – wie die Autorin – älter als die flippigen Figuren der Liebesgeschichten, erwachsen ist sie nicht, zumindest hat sie ihren Ort in der Welt noch nicht gefunden, und das gilt auch im wörtlichen Sinn. Die junge Frau verbringt die Weihnachtstage im Haus ihrer Mutter in einer Kleinstadt bei Wien, die recht eindeutig als Poiarkovs Geburtsort Baden kenntlich wird. Überschattet werden die Tage vom langsamen Sterben der Großmutter. Die Mutter, die nach der Scheidung mit einem neuen Freund zusammenlebt, und der ältere Bruder sitzen zusammen, essen und trinken, besuchen Onkel und Tanten. Es passiert nicht viel, es ist eine ganz normale Familie, keine großen Aggressionen, keine großen Gesten, keine verdrängten Familienskandale.

Unspektakuläre Oberfläche
Was Poiarkov in diese unspektakuläre Oberfläche hineinverwebt, ist die Indifferenz der Erzählerin, die sich alles möglich vorstellen kann, aber nichts tun und entscheiden will. Sie sehnt sich nach ihrem Freund Boris, kann sich aber nicht entschließen nach Wien zu fahren. Ihre Wohnung dort ist ihre Zuflucht, trotzdem spekuliert sie plötzlich mit der Eigentumswohnung der Großmutter und der Rückkehr in die Kleinstadt. Sie ist froh, dass ihre Mutter mit ihrem Lebensgefährten ein neues Leben begonnen hat, was ihr als Tochter damals den Weggang erleichtert hat, aber es kränkt sie auch.

Sie geht abends aus, trinkt nicht wenig, liest noch mehr, Bölls „Gruppenbild mit Dame“ ist darunter, das lässt sich aus den Hinweisen erschließen. Entscheidungen für ihr Leben zu fällen, wird ihr dadurch nicht leichter. Während sie noch mit dem Gedanken an einen alternativen Lebensentwurf gemeinsam mit ihrer Freundin Teresa und deren kleinem Sohn spielt, teilt ihr die Freundin überraschend mit, dass sie gerade dabei ist, den Kindsvater nun doch zu heiraten.
Erzählerisch entspricht dem Schwebenden dieses Lebens das fortwährende Ineinanderfließen von Träumen, Fantasievorstellungen, Kindheitserinnerungen, Gedanken zum Tod und realen Alltagssituationen der Erzählgegenwart. Im Lesen kann man diese Ebenen nicht immer gleich auseinanderhalten, der Text schwebt zwischen ihnen dahin wie das Leben der jungen Frau zwischen all den Optionen, von denen sie keine ergreift.
Auch dass sie dann doch nach Wien zurückkehrt, wird keine Entscheidung bringen. Statt zu Boris geht sie mit einem Bekannten, den sie zufällig trifft, auf einen Drink. Die nächste Entscheidung in ihrem Leben, so könnte man vermuten, wird von Boris kommen, und sie wird anders aussehen als bei ihrer Freundin Teresa.


Wer, wenn nicht wir?
Von Rosemarie Poiarkov
Czernin Verlag, Wien 2007
128 Seiten, geb., € 19,80
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