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Ballastexistenz - 45/2013

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Gegen den Unterhaltungswahn

Christoph Dolgans Debüt über den Untergang und das Aufbegehren des Einzelnen.

von Anton Thuswaldner

Der Jugendliche sieht zu, wie seine Mutter, eine kleine Angestellte in einem Discounter-Laden, entlassen wird. Eine sowieso gefährdete Existenz ruiniert sich jetzt vollkommen mit Alkohol. Der Erzähler sieht sich selbst als einen Zukurzgekommenen und findet zur Sprache. Zur österreichischen Version des Untergangs gehört ja die Sprachwut, mit der einer in Zerfetzungsabsicht all seiner Bedrängnisse vorgeht. Denn in der Sprache entscheidet sich alles. Wer über sie verfügt, hat schon gewonnen. Er gibt nicht mehr klein bei, er artikuliert, was nicht stimmt in dieser Welt. Das ist der erste Schritt zur Änderung der Umstände, darin liegt der Anfang eines jeden Umsturzes. „Mein Sprechen wollen sie mir nicht zugestehen, mein Sprechen verweigern sie mir“, heißt es einmal, und dieses Ich hält sich nicht an das Sprechverbot. Deshalb diese Heftigkeit im Ton, diese Unverfrorenheit, zuzuschlagen.

Ein wüstes Debüt

Für einen, der keine Chance hat, verkehren sich die Verhältnisse. Wer mit sich und der Welt im Reinen ist, möchte, dass alles so bleibt. Dieser Erzähler aber fürchtet, dass sich nichts ändert: „Nicht das Unverständliche, nicht das Unerwartete macht mir Angst, sondern das Selbstverständliche“.
Dolgan schreibt in seinem wüsten Debüt die ewige Geschichte vom Untergang und Aufbegehren des Einzelnen in einer grundsätzlich feindlichen Gesellschaft fort. Er hat einen politischen Roman geschrieben, der nicht so aussieht wie einer der üblichen. Dazu ist er viel zu rabiat, von Ausgewogenheit keine Spur, Hoffnung ist nicht in Sicht. Ein verletztes Ich schreit die Bedingungen seiner Verletzungen hinaus. Das ist deshalb so skandalös, weil die-se Art der Verletzungen nicht menschenüblich, sondern für dieses eine Individuum vorgesehen ist. Die anderen kommen ja gut weg. Aber für diesen Erzähler ist ein Platz im Mief, in der Dunkelheit, in der Ausweglosigkeit reserviert. Um das hinzunehmen, ist dieser Erzähler aber viel zu gewieft und deshalb kommt er ins Erzählen.
Der Roman ist die autistische Version des Aufstands. Viel ist von Menschen nicht die Rede. Sie sind das Kollektiv und als solches der Feind. Sie bekommen deshalb kein Gesicht, weil sie anonym bleiben und in der Masse so bedrohlich wirken. An Dolgan haben wir einen, der festhält am Konzept einer Literatur, die gegen den Unterhaltungswahn anschreibt.


Ballastexistenz
Von Christoph Dolgan.
Droschl 2013
152 S., geb., € 19,60
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