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Das kostbarste aller Geschenke - 45/2013

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Graziöses Notizbuch

Kurztexte über das Leben und Schreiben als ständige gleichzeitige Herausforderung.

Von Stefan Neuhaus

Geben wir dem Kind einen Namen: Andreas Unterweger schreibt Aphorismen. Den Namen der Kinder im Buch erfahren wir nicht und der Autor selbst nennt die Kinder seiner Arbeit „Notizen“. Dabei handelt es sich um arrangierte Kurztexte, die in sieben Kapitel eingeteilt sind, von denen zwei wiederum aus je drei Unterkapiteln bestehen. Das ist symbolisch für Ganzheit zu lesen, wobei die insgesamt elf (zählt man Unterkapitel auch als Kapitel) Teile des Ganzen wohl doch noch etwas offen lassen sollen. Am Schluss des Buches ist die ebenfalls namenlose Frau des Erzählers wieder schwanger, auch deshalb bedürften die „Notizen“ der Fortsetzung.
Der Titel des Bandes stammt, wie sich einer „Notiz“ entnehmen lässt, aus einem Text von Philip K. Dick und bezieht sich auf „das kostbarste aller Geschenke: Wirklichkeit“, die für den Erzähler vor allem durch seine Tochter und durch sein Schreiben bestimmt wird. Auch das eigene Nachdenken ist Thema, die selbstkritische Beobachtung läuft dabei immer mit. Leben und Schreiben als ständige gleichzeitige Herausforderung: „Dass die Notiz, denkt er, jene literarische Form ist, die sich mit seinem neuen Dasein als Familienvater noch am ehesten vereinbaren lässt. (Wenn er nur eine Hand frei hätte, denkt er, um das aufzuschreiben.)“ Die Probleme, die sich daraus ergeben, lassen sich nur im Widerspruch aushalten: Die „zwei Dinge“, die der Erzähler sich wünscht, „Zeit mit Frau und Kind“ sowie „Zeit zum Schreiben“, sind bestenfalls nacheinander zu haben und eines wird immer fehlen.

Besondere Form

Es ist daher nur konsequent, wenn dem Kapitel „Buch des Unmuts“ auch ein „Buch des Muts“ folgt, wenn sich komische Momente mit der kleinen Tochter und Selbstzweifel am Gelingen des Patchwork-Projekts abwechseln, etwa wenn der Nachbar vor seiner Familie flüchtet und eine österreichische Scheidungsanwältin Männern bescheinigt, spätestens mit dem zweiten Kind überfordert und deshalb nicht mehr ehetauglich zu sein.
Der Sprachjongleur Andreas Unterweger hat bereits mit seinen früheren Büchern eine eigene und ganz besondere Form gefunden. In „Das kostbarste aller Geschenke“ wird sie weiter perfektioniert, noch kunstvoller auf- und ausgebaut. Der Grazer Autor hat so ein graziöses Notiz-Buch geschrieben, mit dem sich nun jeder Leser beschenken (lassen) kann.


Das kostbarste aller Geschenke
Von Andreas Unterweger
Droschl 2013.
184 S., geb., € 19,60
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