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Nymph()maniac 2 - 14/2014

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Der alte Pessimist und Misanthrop

Von Otto Friedrich

Man kann „Nymph()maniac“ erst nach dem Sehen von Teil 2 beurteilen. So des Rezensenten Conclusio nach der ersten Hälfte des jüngsten Wahnsinns des Lars von Trier (FURCHE 8/2014). Tatsächlich endete der erste Teil der 
Sexomanie-Saga so abrupt wie der zweite beginnt. Man sollte sich also beide Teile auf einmal antun – oder zumindest zeitnah. Die abschließende Sicht auf „Nymph()maniac“ sei schon hier verraten: Einmal mehr ist Lars von Trier ein exzeptionelles Opus gelungen, das den Zuschauer bis an Grenzen fordert; aber selten wurde die Reduktion von Sexualität auf den eiskalten Trieb so unverwandt dargestellt, dass man sich nach jedem Wimpernschlag an menschlicher Wärme sehnt. Doch Lars von Trier, der alte Pessimist und Misanthrop, hat für das Gute im Menschen jedenfalls filmisch kaum Verwendung.
Was in Teil 1 noch als exzessive Aneinderreihung verschiedenster Kopulationen irritieren mochte, erschließt sich in dieser Hälfte dieses filmischen Monuments als Teil einer Welt- und Menschensicht, die in jeder Hinsicht übertrieben scheint, aber dennoch Überschüsse an Wahrheit bereithält.

Jamie Bell als schauspielerische Offenbarung

Nicht weniger leistet der Regie-Berserker hier. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie er mit den Schauspielern herumfuhrwerkte, um solch ein Ergebnis zu erzielen.
Am eindrücklichsten in Teil 2 ist der Transfer von Lust hin zur nackten Gewalt: Joe (Charlotte Gainsbourg), die nymphomanische Protagonistin, driftet in den Masochismus pur ab, ist zur Erregung nur mehr unter den Schlägen und Demütigungen von K fähig: Dieser eiskalte Schläger, bei dem sexuell unerfüllte Frauen aber Schlange stehen, wird grandios von Jamie Bell dargestellt, der schauspielerischen Offenbarung von „Nymph()maniac 2“.
Lars von Trier spielt auf der Klaviatur der Empfindungen nahe der Unerträglichkeit – und zitiert sich selber virtuos: In „Antichrist“ (2009) verstörte er mit der Darstellung eines Kindstodes zu den Klängen der Händelarie „Lascia ch’io pianga“ – wer das gesehen hat, dem stockt auch in „Nymph()maniac“ der Atem, als das Kind von Joe zur selben Musik erscheint. Gleichzeitig bricht von Trier die Schwere mit Slapstick-artigen Szenen wie einem doppelten Kopulationsversuch an Joe durch zwei schwarze Mannsbilder – Sexualität als Absurdität par excellence.
„Nymph()maniac 2“ ist überdies voller christlicher Anklänge. Dass sich das Chris-tentum mit Sexualität nicht leicht tut, ist zwar keineswegs neu, aber das Setting des Films treibt diese Erkenntnis auf die Spitze. Auch die Jungfräulichkeit, die in Joes väterlichem Zuhörer Seligman (Stellan Skarsgård) personifiziert wird, hält als religiöses Versatzstück her. Um aber herauszufinden, ob wenigstens dieses der Zertrümmerung des Lars von Trier standhält, kann man sich „Nymph()maniac“ nicht ersparen.


Nymph()maniac 2
DK/F/B/D 2013. Regie: Lars von Trier.
Mit Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgård, Jamie Bell, Shia La-Beouf, Willem Dafoe.
Filmladen. 130 Min.
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