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Viva la libertà - 14/2014

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Politik als Zwillingsgeschäft

„Viva la libertà“: In der Verfilmung seiner eigenen Politsatire gelingt Roberto Andò im Verein mit Hauptdarsteller Toni Servillo ein bitterböser Blick – nicht nur auf italienische Verhältnisse.

Von Otto Friedrich


Das vergangene Jahr war „sein“ Jahr: 2013 wurde Toni Servillo für seine Darstellung in Paolo Sorrentinos „La Grande Bellezza“ mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet. Und 2014 folgten für diesen Film auch der Golden Globe und der Auslands-Oscar. Nun kann man Servillos schauspielerische Kraft in „Viva la libertà“ bewundern. Und noch mehr: Die Kraft von Roberto Andòs Verfilmung des eigenen Romans „Il trono vuoto (Der leere Throm)“ liegt wesentlich an Servillo.
Eine durchaus böse Politsatire ist das Opus Andòs, der seine Karriere als Assistent von Federico Fellini, Francesco Rosi oder auch beim Hollywood-Titanen Francis Ford Coppola begonnen hat: Wer eine Ahnung von den politischen Verhältnissen bei Österreichs südlichem Nachbarn hat oder gewinnen will, wird bei „Viva la libertà“ fündig. Der Film nimmt dabei keineswegs die Berlusconiaden, denen Italien nun schon zwei Jahrzehnte ausgesetzt ist, aufs Korn, sondern den unterm Strich kaum hoffnungsvolleren Zustand der Opposition – wenn selbige zurzeit auch an die Regierungs-„Macht“ gekommen sein mag: als ob Regisseur und Autor Andò schon die Turbulenzen rund um die Abhalfterung des Kabinetts Letta und den Aufstieg von Matteo Renzi geahnt hätte … 
Aber der gelernte Italie-ner muss offenbar gar nichts mehr ahnen, denn die politische Wirklichkeit holt alle literarische und filmische Fiktion schnell ein.

Toni Servillo brilliert in Doppelrolle

Der Plot gibt Toni Servillo die Möglichkeit, in einer Doppelrolle zu brillieren: Er spielt die Zwillingsbrüder Enrico Oliveri und Giovanni Ernani. Ersterer ist der Chef der wichtigsten Oppositionspartei, der sich, entnervt von Umfragetiefs und Intrigen seiner Parteifreunde, zu seiner Ex-Geliebten Danielle (Valeria Bruni-Tedeschi) gen Paris fortstiehlt. 
Die verwaiste Parteispitze ist außer sich und weiß nicht, wo sie ihren Vormann finden kann. Da hat Chefstratege Andrea Bottini (Valerio Mastandrea) die Königsidee: Er treibt Enricos Zwillingsbruder Giovanni auf, der mit dem Politiker nichts am Hut hat und als Philosoph sein Leben fristet. Dieser Antipolitiker lässt sich auf das Spiel mit der Macht ein, findet zunehmend Gefallen daran – und wird so zu einer Speerspitze der Politikveränderung.
Man kann sich ausmalen, wie eine „guter Mensch“ in der „bösen Politik“ Furore macht, und was es bedeutete, wenn man so Politik machen könnte, wie man wollte.
Das Doppelgänger-Motiv , auf dem Andòs Geschichte aufbaut, ist ja keine Erfindung dieses Regisseurs und Autors, sondern ein gekanntes Mittel, um auch den zwei Gesichtern eines Ichs Gestalt zu verleihen. Gio-vanni ist so im Wortsinn das Alter Ego von Enrico: Wie viele in der Realität gefangene Politiker würden solch einen Ausstieg wie Enrico und so einen Einstieg wie Giovanni gerne verwirklichen?
Genau das thematisiert „Viva la libertà“ meisterlich, und die Doppelrolle für Toni Servillo scheint ihm auf den Leib geschrieben. Italien ist Italien – einerseits. Und anderseits: Italien ist auch überall. Von daher passt die Satire durchaus auch auf hiesige Verhältnisse.


Viva la libertà
I 2013. Regie: Roberto Andò.
Mit Toni Servillo, Valeria Bruni-Tedeschi, Valerio Mastandrea.
Polyfilm. 94 Min.
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