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20 Feet From Stardom - 17/2014

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Die Vergessenen der Popmusik

„20 Feet From Stardom“: Der diesjährige Oscar-Gewinner in der Sparte Dokumentarfilm porträtiert Backgroundsängerinnen, ohne die Mick Jagger & Co kaum erfolgreich wären.

Von Otto Friedrich


Die cineastische Kritik hatte ja einen anderen Film als den eigentlich Oscar-würdigen herbeigeschrieben: „The Act Of Killing“, die unkonventionelle und verstörende Aufarbeitung des Genozids an den politischen Gegnern der indonesischen Diktatur in den 1960er-Jahren ging dann beim Dokumentarfilm-Oscar 2014 doch leer aus. Typisch, so der Tenor der Kritik der Kritiker, ein konventioneller Streifen wurde dem südasiatischen Polit-Horror vorgezogen. Nun kann man sich auch hierzulande im Kinosaal überzeugen, ob derartiges Kleinmachen von „20 Feet From Stardom“ wirklich gerecht wird.
Das Thema ist trotz – obiger Einschätzungen – überhaupt nicht konventionell und durchaus preiswürdig. Denn Morgan Freeman holt in seinem Film eine Berufsgruppe vor den Vorhang, die zwar auf der Bühne und im Rampenlicht steht, aber sich keineswegs im Rampenlicht des übertragenen Sinns sonnen darf: „20 Feet From Stardom“ porträtiert Backgroundsängerinnen, die Stars wie Bruce Springsteen, Stevie Wonder, Mick Jagger, Sting, Michael Jackson oder auch Bette Midler musikalisch den Weg geebnet haben. Doch im Gegensatz zu den Stars kennt niemand deren Namen, obwohl – das ist eine der eindrücklichsten Leistungen des Films – sich ihre Musik schlicht als großartig entpuppt. Konventionell ist dagegen schon die Machart von „20 Feet From Stardom“, im Wesentlichen fußt der Film auf den Interviews mit Protagonistinnen, die ihre Lebensgeschichte sowie ihre Kunst- und Weltsicht ausbreiten. Man kann sich vorstellen, dass es sich dabei um markante Persönlichkeiten handelt, die sich um künstlerische Qualität mühen, aber der großen Anerkennung weitgehend entraten müssen.

Karrierebeginn in der Kirche

Da ist etwa Merry Clayton, wie viele ihrer Branche als Sängerin in einer Kirche groß geworden, die von Carole King bis Joe Cocker Stars begleitet hat, deren Performance aber vor allem zum Erfolg des Rolling Stones-Megahits „Gimme Shelter“ beigetragen hat. Mit den Roling Stones ist auch Lisa Fischer durch die Lande getourt, die wie Clayton ein Stimmwunder war und ist, die den Stones immer noch das Wasser reichen kann. Fischer hatte für ein Solo-Album sogar einen Grammy, den begehrten US-Musikpreis, bekommen – aber auch das nützte wenig. Aber die Lebensweisheit von Fischer kann sich trotzdem sehen lassen: „Manche Leute tun alles dafür“, meint sie im Film, „bekannt zu werden, andere wollen einfach singen“. Allein für derartige Einsicht ist Filme-macher Morgan Freeman und Produzent Gil Friesen Respekt zu zollen.
Immerhin ließen sich einige der ganz Großen „herab“, um die Backgroundsängerinnen zu würdigen – Mick Jagger, Bruce Springsteen oder Stevie Wonder seien stellvertretend dafür genannt.
Nostalgie – dies könnte man „20 Feet From Stardom“ allenfalls schon vorwerfen, rückt der Film die Hochzeit der Popmusik in den 1960er- bis 1970er-Jahren in den Fokus. Denn heute müssen Background Voices mitnichten mehr jener Stimme und jener Bühnenpräsenz fähig sein, die Merry Clayton & Co auszeichneten.
Denn heute, wo Stars in Castingshows wie in einer Retorte gezüchtet werden, kann die Background-Musik – die im Film sich vielleicht als hintergründig , aber niemals bloß als Hintergrund präsentiert – im Digitalstudio in die gewünschte Fasson zusammengekleistert werden. So hart das Leben der in „20 Feet From Stardom“ Porträtierten auch war und ist – das heutige musikalische Dahinfristen des Genres ist noch erbärmlicher als das, was der Film schildert. Der Streifen ist also doch den Kinobesuch wert – und wenn es nur der hinreißende Soundtrack ist, der einem im Ohr hängenbleibt.


20 Feet From Stardom
USA 2013. Regie: Morgan Neville.
Mit Merry Clayton, Lisa Fischer, Táta Vega, Mick Jagger, Darlene Love, Sting, Ste-vie Wonder.
Filmladen. 91 MIn.
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