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20/2014 - Über-Ich und Du

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Die Therapie des Strizzis

„Über-Ich und Du“: Ein Film wie eine geglückte Psychoanalyse. André Wilms und Georg Friedrich sind die Protagonisten in Benjamin Heisenbergs fulminantem Komödienfeuerwerk.

Von Otto Friedrich

Eine der beiden Lieblingsszenen: Da kommt der greise und auch demente Curt Ledig (André Wilms) zu einer Kollegin aus wilderen Jahren, Frau Tischmann (eine Glanznebenrolle für Elisabeth Orth), und bringt den anderen Protagonisten – Nick Gutlicht (Georg Friedrich) – dazu, sich wie Gott ihn schuf (ganz und gar keine fotogene Physiognomie) mit der Angestellten Mu Tsi im Pool zu vergnügen. Dabei scherzen die zwei Alten über die Psycho-Lage der beiden Schwimmer und sind dabei nicht gschamig (im Gegensatz zu den Jungen ...).
Es ist eine wahre Anhäufung derartiger Konstellationen, die Benjamin Heisenbergs „Über-Ich und Du“ zu einer ebenso liebenswerten wie verschmitzten Komödie werden lässt, die sich überdies als gekonnte Persiflage auf die Psycho-Szene entpuppt. Vor drei Jahren hatte Heisenberg mit „Der Räuber“, 
der Verfilmung der Lebensgeschichte des niederösterreichischen „Pumpgun-Ronnie“ auch den Österreichischen Filmpreis erhalten. Nun reüssiert er wieder mit markanter österreichischer (Schauspiel-)Beteiligung, neben Friedrich und der Orth findet sich auch Maria Hofstätter als Unterweltpatin „Mutter“ (grandios wie immer!) oder Markus Schleinzer als Mitglied der Sippschaft Curt Ledigs auf der Besetzungsliste.
Ledig, der weltbekannte Psychologe, ist nicht nur eine Koryphäe, sondern auch im Stadium störrischer Senilität angekommen. Kaum verwunderlich, dass ihn die liebe Verwandtschaft an einem adäquaten Senioren-Ort den Lebensabend „versüßen“ will.

Eine friktive Symbiose

Doch der Alte sucht das zu verhindern, zumal er, der als junger Wissenschafter von Heinrich Goebbels gefördert und fasziniert war, noch mit einer Lebensbeichte öffentlich Abbitte für die biografische Verirrung leis-ten will.
Da begegnet Ledig dem Strizzi Nick Gutlicht, der den Alten eigentlich ausnehmen will – und zwischen dem doch schon lebensmüden Wissenschafter und dem jungen, aber tollpatschigen Tunichtgut entsteht eine friktive Symbiose, die allerlei Verwerfungen bereithält, aber letztlich von wirklich gemeinsamem Interesse geprägt ist, nämlich der je eigenen Welt (der lästigen Verwandschaft respektive der brutalen Gang rund um „Mutter“) zu entkommen.
Heisenberg gelingt es, diesem Setting, das durchaus unter Klischee-Gefahr steht, mit einer Fülle von dramaturgischen Ideen so beizukommen, dass es eine Freud ist. Obwohl (siehe oben) auch die Nebenrollen prominent und grandios besetzt sind, geht die filmische Rechnung sicher ob der beiden Protagonisten auf. Der Elsässer André Wilms, der zuletzt in Aki Kaurismäkis „Le Havre“ begistern konnte, bringt die Hilflosigkeit und Hinterfotzigkeit des alten Professors unbändig zur Geltung. Und Georg Friedrich, den man als Strizzis schon x-mal auf der Leinwand gesehen hat, gelingt es, seinem Parade-Genre wieder so viele Nuancen dazuzugeben, dass seine Rolle mitnichten als Rollenstereotyp empfunden wird.
Die zweite Lieblingsszene, übrigens, ist im Gegensatz zur ersten nicht lustig: Der Alte und der Tagedieb sind vor ihren jeweiligen Verfolgern in die Berge geflüchtet. Und dort vergräbt der Greis sein um vieles jüngere Studienobjekt in einem Erdloch. Eine neue Therapie, damit Nick unter anderem von der Küchenphobie, die er von Curt auf unerklärliche Weise „geerbt“ hat, wieder loskomme.
Wahrscheinlich wundert sich Übervater Freud ja im Jenseits über derartiges Treiben. Aber auch dem diesseitigen Kinopublikum bleibt wenig anderes übrig.


Über-Ich und Du
A/D/CH 2014. Regie: Benjamin Heisenberg.
Georg Friedrich, André Wilms, Susanne Wolff, Elisabeth Orth, Maria Hofstätter.
Thimfilm. 94 Min.
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