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Nächster Halt: Fruitvale Station - 21/2014

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Ein Geläuterter, der zur Märtyrerfigur werden muss

„Letzter Halt: Fruitvale Station“: Ryan Cooglers Film zeichnet die letzten Tage des Oscar Grant nach.

Von Thomas Taborsky

Auch in Österreich ist die Diskussion um den Einsatz von Gewalt durch die Polizei und deren Rechtfertigung eine äußerst aktuelle, jedoch nimmt sie einen völlig anderen Platz ein als etwa in den USA. Der Fall Rodney King und die Krawalle in Los Angeles nach dem rassistisch motivierten Übergriff waren weltweit in den Schlagzeilen, genau wie in jüngster Zeit der Prozess um den Tod von Trayvon Martin. Die gleiche traurige Berühmtheit erlangte im Großraum San Francisco der Name Oscar Grant III.: In der Neujahrsnacht 2009 wurde der Afroamerikaner, obwohl am Boden festgehalten, von einem weißen Bahnpolizisten erschossen – unabsichtlich, so das Gerichtsurteil, denn der Schütze habe seinen Taser mit der Pis-tole verwechselt. Den Bildern davon, genauer gesagt den Handyvideos, die Mitpassagiere damals von der Tat machten, kann sich auch Ryan Coogler nicht entziehen. In seinem vielbeachteten Regiedebüt „Nächster Halt: Fruitvale Station“ zeichnet er den letzten Tag im Leben des Oscar Grant nach – einen Silvester voller Vorsätze, zu deren Erfüllung es nicht kommen soll. Den Jahreswechsel davor hatte Oscar (Michael B. Jordan) noch im Gefängnis verbracht. Inzwischen hat er sich geschworen, alles zu ändern: Seiner Tochter Tatiana will er ein guter Vater sein, seiner Freundin Sophina (Melonie Diaz) endlich ein verlässlicher Partner.
Noch lügt er, wenn er sagt, er habe mit dem Drogendealen aufgehört; heute aber will er den Schlussstrich ziehen. Auch etwas anderes hat er verschwiegen: Er hat seine Stelle in einem Supermarkt verloren. Alles Anflehen nützt nichts: Der Filialleiter lässt sich nicht 
erweichen, ihm den Job zurückzugeben.

Eine ganz und gar fatale Bahnfahrt

Trotzdem geht Oscar zuversichtlich in den Abend: Zuerst will er mit der Mutter feiern, dann mit Sophina und seinen Freunden in die Stadt – auf Bitten der Mutter mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, denn sie werden ja bestimmt etwas trinken. Mitternachts bleiben sie im BART, der Lokalbahn, stecken – also findet die Party eben improvisiert gemeinsam mit Wildfremden im Waggon statt. Eine Hochschwangere muss auf die Toilette – Oscar überredet einen Ladenbesitzer, dass sie sein Klo benutzen darf. Schon morgens hat er aus dem Supermarkt extra seine Großmutter angerufen, um einer Kundin zu helfen, hat als Einziger einem angefahrenen Hund helfen wollen …
Wieder und wieder führt Regisseur Coogler die Tragik der Situation vor Augen: Hier ist ein Mensch, der vielleicht schwach sein mag, aber anständiger ist als die meisten anderen, und der keine Chance erhält – ein Geläuterter, der kurz davor steht, zur Märtyrerfigur ihrer Umstände erhoben zu werden. In dieser Hinsicht und noch potenziert durch die strikte Opferperspektive, ist „Fruitvale Station“ ein sehr suggestiver Film. Umso größere Wirkung entfaltet er dabei durch seine klug gedämpfte Machart: In körnigen Analogbildern folgt die Kamera, als ob sie selbst Begleiter und intimer Zeuge all dieser Geschehnisse wäre, die möglichst alltäglich aussehen.
Ähnlich zurückhaltend agieren auch die Jungstars Michael B. Jordan und Melonie Diaz. Auch dank ihres Könnens, das aus kleinen Gesten ganze Charaktere macht, gelingt Ryan Coogler eine beachtliche Talentprobe, die immer wieder auf ein Amerika 50 Jahre nach Martin Luther King zurückkommen muss – wie selten Hautfarbe keine Rolle spielt, oder wie bewusst und unbewusst Rassismus allgegenwärtig ist, wenn etwa in Oscars Familie lautstark kundgetan wird, wie wenig man von den Weißen erwartet. Und dass am Ende weiterhin nichts als Leid steht.


Nächster Halt - Fruitvale Station (Fruitvale Station)
USA 2013. Regie: Ryan Coogler.
Mit Michael B. Jordan, Melonie Diaz, Octavia Spencer.
Filmladen. 85 Min.
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