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No Turning Back - 25/2014

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Ein Mann. Ein Auto. Ein Ziel.

„No Turning Back“: Regisseur Steven Knight lässt sich auf ein wagemutiges Setting ein, das aufgeht. Und Tom Hardy trägt das minimalistische Kammerspiel auf seinen Schultern. Mit links!


Von Nicole Albiez

Das favorisierte Team habe 2:1 gewonnen, erzählt Eddie seinem Vater aufgeregt via Telefon, und Eddie wundert sich, dass sein fußballbegeisterter Papa nicht ausflippt vor Freude – wie er es eigentlich von ihm gewohnt ist. Innerlich würde er ausflippen, meint dieser – und sein Sohn, den wir nur über seine Stimme kennenlernen werden, weiß gar nicht, wie wahr das ist, was Ivan Locke gerade gesagt hat: Ivan Locke ist gerade dabei auszuflippen, so wie noch nie zuvor in seinem Leben – aber nicht aus Freude, sondern aus Stress. Sein Leben ist dabei in Trümmer zu zerfallen, eine einzige Nachricht hat dies an diesem schönen Abend bedingt.
An einem Abend, den er eigentlich mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen mit einem Fußballmatch verbringen wollte, bis dann diese eine Nachricht kommt, die alles verändert, die ihn informiert, dass ein Fehler Konsequenzen hat. Also steigt der Bauingenieur, der eben sein aktuelles Projekt verlassen hat, in sein Auto – und fährt los.
C6, das sei die richtige Mischung Beton, C6 und keine andere, er solle nichts anderes annehmen, nichts anderes absegnen, das Gebäude braucht ein starkes Fundament und das riskiert man allein schon bei C5, versucht Locke seiner Spontanvertretung Donal per Telefonleitung einzu-bläuen, Donal (die Stimme von Andrew Scott) ist überfordert durch den abrupten Abgang von Locke, er muss sich nun um die Abwicklung des größten Jobs in der Geschichte des Bauunternehmens kümmern, obwohl er etwas Derartiges noch nie zuvor gemacht hat. Lockes Versprechen, ihm ständig per Handy zur Verfügung zu stehen und ihn aus der Ferne durch den Job zu navigieren, beruhigt dabei nicht wirklich: Passiert bei der Lieferung Beton für die Großbaustelle in aller Herrgottsfrüh ein Fehler, ist das ein Schaden in Millionenhöhe. Und ein Fehler kann schnell passieren: „You can’t trust god, when it comes to concrete.“

Kein Gottvertrauen, wenn es um Beton geht …

Sobald Locke einen Anruf beendet, warten bereits weitere Telefonate. Telefonate mit seinem Chef, der nicht fassen kann, dass der bis dato verlässliche Bauingenieur just vor dem wichtigsten Auftrag der Firmengeschichte abtrünnig wird, ohne klare Argumente für den überstürzten Abgang zu liefern. Telefonate mit seiner Frau, die nach und nach realisiert, welche Auswirkungen es hat, dass ihr langjähriger Partner nicht nach Hause kommen, nicht den Abend mit ihr und den beiden Söhnen bei Würstchen, in Fußballtrikots und vor dem Fernseher verbringen wird. Und Ivan selbst bewegt sich mit jedem Meter, den er London entgegen fährt, von einem Leben weg, das er eigentlich nicht verlassen will, das er nicht verändern wollte, aber die Straße, auf der er sich durch seine Entscheidung befindet, kennt vielleicht keinen U-Turn.
Regisseur („Redemption – Stunde der Vergeltung“) und Drehbuchautor („Eastern Promises“) Steven Knight hat ein wagemutiges Unternehmen gestartet: Er inszeniert ein 85 Minuten langes Kammerspiel, einen kleinen, aber großen Echtzeitthriller, der nur einen einzigen Darsteller zeigt, der die volle Filmlänge hinter dem Steuer eines Wagens verbringt – von Birmingham bis London –, und der lediglich über die Freisprecheinrichtung seines Handys mit einer Hand voll Stimmen verbunden ist. Kameramann Haris Zambarloukos weiß mit dem beschränkten Raum, der ihm zur Verfügung steht, umzugehen. Der Film hat ein so einfaches Setting und ein so klares Ziel, er könnte auch rasch genügen oder langweilen – und doch stiftet er Unruhe, steckt an, sorgt auch beim Publikum für Stress, für Unbehagen. Die Dialoge sind am Punkt, und Tom Hardy („Inception“, „The Dark Knight Rises“) schafft es, ganz allein den Film zu tragen – als moralische Person, die tut, was sie eben tun muss.

Minimalistisches Konzept

Keine Sekunde lässt die Spannung nach, keinen einzigen Moment bricht das minimalistische Konzept in sich zusammen, auch wenn sich die Kamera 85 Minuten lang ausschließlich im Auto des Protagonisten bewegt; auch wenn sich die Telefonate ab und zu auch nur um nicht unbedingt sexy Themen wie Beton drehen; auch wenn die Dramaturgie Anruf für Anruf absolviert und den vorbeiziehenden Verkehr verfolgt.
Es ist das große Drama im völlig Alltäglichen, das hier den Atem raubt und bei den Festivals in Venedig, Toronto und Sundance für Begeisterungsstürme sorgte. Nicht ohne Grund. Denn das, was sich auf dem Gesicht des starken, charismatischen Tom Hardy abspielt, während er als Ivan Locke mit existenziellen Problemen jongliert, was sich in seinen Worten ausdrückt, reicht vollkommen.
Grippebedingt schnäuzt sich Ivan Locke immer wieder – und nebenbei versucht er: ruhig zu bleiben, seinen Wagen durch die Nacht zu navigieren und sein Leben zu sortieren …


No Turning Back (Locke)
GB 2013. Regie: Steven Knight.
Mit Tom Hardy, Ruth Wilson, Andrew Scott.
Filmladen. 85 Min.
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