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Safari innere Wildnis - 14/2014

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Heisser Draht, kühler Kopf

Von Michael Braun

„Safari, innere Wildnis“: Der Titel des neuen Lyrikbandes von Andrea Grill verspricht eine Entdeckungsfahrt, die dann aber doch nicht so ungestüm ausfällt. Ordnung ist die halbe Miete bei diesen Gedichten, das Wort „Taxonomie“ taucht zweifach auf. Zyklische und strophische Ordnungen sind dazu da, um das Ich zu bändigen, das seine Sätze ohne Punkt in Lang- und Kurzversen herausschleudert, manchmal etwas leichtfertig mit Wortspielen umgehend („geborgen geboren“), aber meist präzise, manchmal humorvoll in Ton und Wortlage.
Lesenswert sind Andrea Grills neue Gedichte, weil sie einen „heißen Draht zum Unbewussten“ haben und zugleich jenen „kühlen Kopf“ (Kerstin Hensel) bewahren, der eine planende, wortewägende Hand verrät. In einer Dankrede hat die Autorin einmal Wittgenstein zitiert: „Sprache verkleidet den Gedanken“. Das gilt für die Liebes- und Naturgedichte ebenso wie für die memorierende Lyrik. Immer steht der Sprechakt vor dem Sinn, das Wort vor den Dingen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. „schreibe Geschwister / in alle Dinge“, heißt es in durchaus programmatischer Absicht. Auf Ähnlichkeit und Annäherung kommt es an, nicht auf Übereinstimmung von Einfall und Ausdruck. Das hat auch eine selbstschützende Wirkung. Sentimentale Klänge bei der Heimrufung der sechzig Jahre älteren Großmutter aus dem Reich der Toten werden so vermieden durch die Erinnerung an deren „Kreuzweglachen zu Ostern“.
Wer in diesen Gedichten spricht, ist kein Weltbewunderer, sondern vielmehr ein Weltbeschreiber und Schnittmeister „weicher Gedanken“ („Metamorphose III“), einer der „reisenden Vögel“, die durch die Sprachen und die südosteuropäischen Erinnerungslandschaften streifen, die vielfach in der Biografie der Autorin verwurzelt sind. 
1975 in Bad Ischl geboren, hat sie auf Sardinien geforscht und in Amsterdam über ein biologisches Thema promoviert. Sie hat albanische Literatur übersetzt und ihrerseits bereits mehrere Romane geschrieben. Mit 
ihrer Lyrik hat sie in der „inneren Wildnis“ der europäischen Kultur- und Gefühlslandschaften gut aufgeräumt.


Safari, innere Wildnis
Gedichte von Andrea Grill
Otto Müller Verlag 2014
80 S., geb., € 18,00
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