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Zoran – Mein Neffe, der Idiot - 27/2014

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„Wasser ist für die Hunde“

„Zoran – Mein Neffe, der Idiot“: Verwurzelt im Kolorit des norditalienischen Friaul und mit persönlichen Beobachtungen gelingt Regisseur Matteo Oleotto ein beachtliches Spielfilmdebüt.

Von Thomas Taborsky


Der erste abendfüllende Spielfilm scheint geradezu prädestiniert dafür, dass ganz persönliche Erfahrungen eingearbeitet werden. Matteo Oleotto etwa ist in Gorizia geboren, dem ehemaligen Görz, durch das nach dem Zweiten Weltkrieg die Grenze zwischen Italien und Jugoslawien gezogen wurde. Bei „Zoran – Mein Neffe, der Idiot“ macht es Oleotto sichtlich Freude, in einem Europa nach Schengen seinen Aktionsraum entsprechend auf Slowenien auszuweiten, nach Belieben hinüber-zufahren und dort Gemeinsamkeiten zu entdecken – angefangen mit einem unbekannten Verwandten für seinen friulanischen Anti--
helden Paolo (Giuseppe Battis-ton).
Der verfilzte Quartalsäufer wirkt wie das Paradebeispiel eines schlechten Menschen: Die Ex-Frau wird ihn nicht los, obwohl sie lange geschieden sind, seine Freunde macht er herunter, um im nächsten Augenblick gleich wieder ihre Gutmütigkeit auszunutzen, und aus jeder Verantwortlichkeit für seine Taten lügt er sich schamlos heraus. Nur zufällig kann ihm die Polizei den Brief vom Nachlassverwalter zustellen – eigentlich hatte er sich vor ihr versteckt, aus Furcht, dass sie ihm den Führerschein abnehmen. Kurz darauf steht er schon mit Krokodilstränen im Häuschen der Tante. Statt jedoch irgendetwas zu erben, das sich zu Geld machen ließe, wird ihm der 15-jährige Zoran (Rok Prasnikar) präsentiert: Paolo wäre jetzt dessen Vormund, sofern er zustimmt.

Der Quartalsäufer als Vormund

Zumindest muss er sich aber ein paar Tage lang um ihn kümmern. Grantig nimmt er den seltsamen Burschen mit der riesigen Nickelbrille, den eingefallenen Schultern und dem förmlichen Italienisch, das er aus zwei alten Büchern gelernt hat, mit heim. Dort angekommen wittert er, dass er mit Zoran vielleicht doch noch Kasse machen kann: Der Junge trifft mit dem Dart immer das Bullseye. Während Paolo Pläne ausheckt und sogar meint, dass er sich damit auch seine Ex-Frau zurückholen kann, erwacht der Schützling aus seiner Starre und entwickelt seinen eigenen Willen.
Mit gro-ßem Feingefühl nähert sich Oleotto dem Gegenpart zum lauten, garstigen Paolo, kitzelt das Musische und Verschmitzte heraus und lässt Paroli bieten. Getragen wird der Film jedoch vom brillianten Giuseppe Battiston, der als Nebendarsteller im italienischen Kino längst unverzichtbar ist – etwa in „Brot und Tulpen“ oder jüngst in „Venezianische Freundschaft“.
In „Zoran“ beweist er im Facettenreichtum seiner Rolle, in deren Tragik, Falschheit und mitunter Gefährlichkeit, sein Können. Mit Battiston an der Spitze entwickelt der Regisseur zugleich ein Porträt seiner Heimat Friaul, von alternden Dörfern mit wenig Perspektive, der Taverne als Dreh- und Angelpunkt des Lebens, vom sozialen Leben und Glauben. Und vom friulanischen Wein. „Wasser ist für die Hunde“ – unter den Leuten, die zum Stamminventar der Taverne gehören, fällt dieser Satz nicht nur einmal.
Verwurzelt in diesem Kolorit und mit persönlichen Beobachtungen gelingt Oleotto ein beachtliches Kinodebüt, das schon allein deshalb Seltenheitswert besitzt, weil es nichts von großen Wendungen und Läuterungen hält. Nur ein einziges Mal schert es aus seinem feinen Konzept aus – wenn der französische Filmemacher Sylvain Chômet („Der Illusionist“) als eine Art Glücksbringer vorbeischaut. Zum Glück bleibt es aber beim kurzen Spuk.


Zoran – Mein Neffe, der Idiot (Zoran, il mio nipote scemo)
I 2013. Regie: Matteo Oleotto.
Mit Giuseppe Battiston, Rok Prasnikar.
Polyfilm. 106 Min.
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