ro ro

Navigation
Literaturkritik | Filmkritik | Dossiers | Suchen
You do not have permission to download files

Die Karte meiner Träume - 32/2014

Herunterladen
Ein Roadmovie und 
eine Kindergeschichte

„Die Karte meiner Träume“: Jean-Pierre Jeunet ist ein ganz und gar 
exzeptioneller Film gelungen. Noch dazu in 3D.


| Von Otto Friedrich


Ob sich Filme über kleine Leute besonders für die Verwendung von 3D-Technik eignen? Man muss nicht unbedingt ein Verfechter dieser Technik sein, um die Frage eher doch mit Ja zu beantworten. Jedenfalls ist, seit Martin Scorsese sich anno 2012 erstmals im dreidimensio-nalen Kosmos versuchte, die Sache klar: „Hugo Cabret“, welcher die fantastischen Abenteuer eines Buben im Pariser Bahnhof Gare Montparnasse der, sagen wir, 1920er-Jahre ins Kino brachte, war ein zauberhafter Film – auch wenn er an der Kinokasse keineswegs erfolgreich war. Aber gerade in 3D legte sich ein modriger Schleier über die Kindererzählung, die Patina, die einen neuen Film in ein altes Leben hinüberzuführen imstande war.

Von „Hugo Cabret“ bis Jean-Pierre Jeunet


Quasi Analoges könnte man zu „Die Karte meiner Träume“, dem neuen Film von Jean-Pierre Jeunet („Die fabelhafte Welt der Amélie“), anmerken: Auch hier geht es um die fantastische Welt eines gar jungen Mannes, ums Kind-Bleiben in der eigentlich unwirtlichen Welt der Erwachsenen beziehungsweise die Transformation der Welt der Gro-ßen in den Kosmos der Kleinen.
Das Vehikel solchen Märchens ist dieser Jeunet-Film eben in 3D, der die Adaption des gleichnamigen Romans von Reif Larsen aus 2009 darstellt. Die Geschichte handelt vom 10-jährigen Wunderkind T.S. Spivet, der mit Geschwistern und Eltern in der Einschicht von Montana lebt. T.S. hat ein Perpetuum mobile erfunden und sich damit um den renommierten Baird-Preis des ehrwürdigen Smithsonian Museum in Washington D.C. beworben. Selbstredend, dass solcher Erfindung dieser Preis gebührt. Aber die Preisverleiher, personifiziert in der extrem schusseligen Kuratorin Jibsen, wissen nicht, dass T. S. Spivet noch ein Bub ist. Und auch seine Eltern, ein vierschrötiger Farmer und seine Mutter, die eher schrullige Insektenforscherin Dr. Clair, ahnen nicht wirklich etwas von den Talenten des Sohnes.
Und so macht sich T. S. als blinder Passagier eines Güterzugs quer durch die Staaten auf die Reise nach Washington: ein Roadmovie also sowie im gleichen Atemzug eine beißende Satire auf die bigotte Hauptstadt-Gesellschaft und die Medienwelt, wie sie zu jener Zeit ein Neil Postman gebrandmarkt hat, entwickelt sich.

Die Entdeckung des Kyle Catlett


Zwischen solchem Roadmovie und Kindergeschichte changiert „Die Karte meiner Träume“ und entpuppt sich schließlich und endlich als warmherzige Filmerzählung von einem kleinen Mann, der groß herauskommt – und doch auch noch ein dunkles, ganz und gar nicht kindliches Geheimnis mit sich herumschleppen muss. Zweifelsohne ein Highlight des laufenden Kinosommers.
Jean-Pierre Jeunet erzählt das alles überdies in betörenden bis beklemmenden (Natur-)Bildern: Wie er etwa die Montana-Stimmung auf die Leinwand bringt, bleibt atemberaubend. Dazu kommt die gleichfalls einmalige Unterstützung durch die handelnden Schauspieler(innen): Die Entdeckung des Films ist der zehnjährige Kyle Catlett, dessen Präsenz in der kindlichen Hauptrolle des T.S. Spivet fast unheimlich erscheint. An seiner Seite stehen Helena Bonham Carter als seine Mutter Dr. Clair sowie die Woody-Allen-Entdeckung Judy Davis („To Rome With Love“) in der Rolle der hys-terischen Smithsonian-Museumsfrau Jibsen kaum nach. Callum Keith Rennie komplettiert als vordergründig einfältiger Vater das menschliche Tableau dieses Films. Natürlich darf Jeunets Lieblingsschauspieler Dominique Pinon nicht fehlen, dem der Regis--
seur einen Glanzauftritt als geheimnisvoller 
Clochard „Zweite Wolke“ ermöglicht.
So zauberhaft, so verschmitzt und so in jeder Hinsicht kinderfreundlich kann Kino auch heute sein: „Die Karte meiner Träume“ ist ein Traum von einem Film. Erst recht, wenn man dieses Kunstwerk in 3D sehen kann.

Die Karte meiner Träume 
(The Young and Prodigious T.S. Spivet)
F/CDN 2013. Regie: Jean-Pierre Jeunet. 
Mit Kyle Catlett, Helena Bonham Carter, Judy Davis, Callum Keith Rennie, Dominique Pinon. Filmladen. 105 Min.
You do not have permission to download files


DownloadsII 5.0.4 by CyberRanger & Jelle
Based on ecDownloads 4.1 © Ronin



Powered by vBulletin® Version 3.6.5 (Deutsch) | Copyright ©2000 - 2005, Jelsoft Enterprises Ltd.
ro
ro ro
Werbung
  11:54:23 07.19.2005