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A Most Wanted Man - 37/2014

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Showdown, mitten in Hamburg

„A Most Wanted Man“: Zum zweiten Mal bewährt sich Anton Corbijn als Thriller-Verfilmer. Diesmal im Verein mit Philip Seymour Hoffman.

| Von Otto Friedrich

Eigentlich fühlt sich ja Wien zur Spionagehauptstadt der Welt berufen, und auch im NSA-Zeitalter gibt es diesbezügliche Publizistik. Aber auch Hamburg ist diesbezüglich nicht ohne – zumal der Altmeister des Spionageroman-Genres, John le Carré also, bereits 2008 sein Werk „Marionetten“ in der Alster-Metrople spielen ließ. Nun kommt die Romanverfilmung unter dem Originaltitel „A Most Wanted Man“ ins Kino.
Der Schauplatz Hamburg ist natürlich 
absichtsvoll gewählt, konnten hier doch 
Mohammed Atta & Co die Anschläge von 9/11 weitgehend ungestört von Geheimdiensten planen – und ebenso absichtsvoll ist mit 11. September auch der Filmstart im deutschsprachigen Raum angesetzt. Ausgangspunkt des Romans wie des Films ist das – wie bei le Carré üblich – realistische Szenario, dass Nachrichtendienste sich nie wieder so eine Blamage leisten wollen wie jene, die Terroristen von 2001 „übersehen“ zu haben.
In „A Most Wanted Man“ spielt der deutsche Geheimdienstler Günther Bachmann eine Schlüsselrolle: Bachmann war einst im Nahen Osten tätig und wurde dort fürs letale Misslingen eines Einsatzes verantwortlich gemacht. Nun leitet Bachmann in Hamburg eine Antiterror-Einheit, die auf Issa Karpov stößt, einen Flüchtling aus Tsche-tschenien, dessen – russischer – Vater beim Zerfall der Sowjetunion viel Geld machte, das nun für den Sohn in Hamburg geparkt ist. Karpov kommt bei der Türkin Leyla und deren Sohn Melik unter und wird von der jungen Anwältin Annabel Richter betreut.
Karpov, von Folterungen in Russland und der Türkei schwerst traumatisiert, sucht den britischen Banker Thomas Brue auf, um das schmutzige Geld seines Vaters in Empfang zu nehmen und es einer wohltätigen Bestimmung zuzuführen. Für diese soll der islamische Gelehrte Faisal Abdullah sorgen, von dem sich die deutschen Geheimdienste wie der CIA nicht sicher sind, ob er nicht 
ein verkappter Islamist ist, der Terroristen finanziert. Als solcher gilt den Diens-ten auch Issa Karpov.
Bachmann glaubt Karpov hingegen und versucht, ihn vor Zugriffen der deutschen Dienste und der Amerikaner zu schützen. Er verstrickt sich in Auseinandersetzungen mit seinem Berliner Chef Dieter Mohr und der CIA-Residentin Martha Sullivan.
Bachmanns unorthodoxe Methoden und seine Menschenfreundlichkeit, in der er sich auch mit dem Einsatz der Anwältin Annabell Richter trifft, entwickeln sich im Plot von le Carré wie im Film zu einem Psychodrama der Extraklasse, in dem die Underdogs à la Bachmann, Karpov oder auch Richter versuchen, den Fängen der hoch-mögenden Geheimdienstler oben zu entrinnen. Agententhriller-Setting pur.

Anton Corbijn verfilmt John le Carré

John le Carrés Romanvorlage wurde vom niederländischen Regisseur Anton Corbijn nahezu perfekt umgesetzt, der bereits 2010 mit „The American“, in dem George Clooney die Hauptrolle spielte, reüssieren konnte. Corbijn gelingt es, das neblige Hamburg und die düstere Halbwelt von Geheimdiensten zwischen Flüchtlingselend und Terrorbedrohung nuanciert in Szene zu setzen – von der Lichtgebung bis zum Soundtrack, welcher von Herbert Grönemeyer stammt, der selber auch in einer Nebenrolle auftritt, und der auch schon „The American“ musikalisch unterlegt hatte.
Auch das Ensemble trägt diesen Film, Willem Dafoe überzeugt als Banker Brue, Robin Wright als CIA-Residentin Sullivan. Rachel Mc-Adams in der Rolle der Anwältin Richter und Grigoriy Dobrygin als Karpov stehen ihnen kaum nach, auch eine Reihe bekannter deutscher Namen – Nina Hoss, Daniel Brühl, Martin Wuttke… – fetten die Besetzungsliste auf.
Dennoch steht und fällt „A Most Wanted Man“ mit der Leistung von Philip Seymour Hoffman in der Rolle des Günther Bachmann. Es ist der letzte Film Hoffmans, der bekanntlich im Februar verstorben ist. Einmal noch kann man hier den Ausnahmeschauspieler in einer Paraderolle sehen, der einmal mehr einen vom Leben Gezeichneten in allen Schattierungen und Nuancen darstellt.
Auch wenn man die private Existenz eines Darstellers nicht vorschnell mit seiner Performance im Film zur Deckung bringen sollte: Angesichts von Hoffmans persönlicher Lebenstragik erscheint der gebrochene und von allen verlassene Held Günther Bachmann seinem Darseller auf den Leib geschrieben zu sein. „Er war 200 Prozent menschlich, mit allen Selbstzweifeln und inneren Kämpfen, die damit verbunden sind. Genau daraus entsteht große Kunst, denke ich“: Solche Worte fand Regisseur Corbijn über seinen Hauptdarsteller.
Bei allem, was sonst über „A Most Wanted Man“ ins Treffen zu führen wäre: Ein in jeder Hinsicht würdiges Vermächtnis von Philip Seymour Hoffman ist der Film allemal geworden.


A Most Wanted Man
GB/USA/D 2014 Regie: Anton Corbijn.
Mit Philip Seymour Hoffman, Rachel Mc-Adams, Grigoriy Dobrygin, Willem Dafoe, Robin Wright.
Constantin. 122 Min.
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