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Global Shopping Village - 43/2014

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Ansichten einer Verdrängungsstrategie

Dokumentarfilm

| Von Thomas Taborsky

Das Kapital will arbeiten, und blumige Phrasen wollen es auf einer internationalen Messe für Einkaufszentren rekrutieren. Die Dokumentation „Global Shopping Village“ nimmt von dort etwa die Verheißung der „Accelerating Expansion“ mit. Damit streift sie durch die Innenstadt im steirischen Judenburg, wo sich die Dinge nicht beschleunigt, sondern gegen Null abgebremst haben: Leerstände, wohin das Auge fällt, zwischendrin vielleicht ein Sportwettenanbieter und ein Nahversorger, der stundenweise aufmacht.
Die Kaufkraft der umliegenden Gemeinden sei ins benachbarte Fohnsdorf abgeflossen, weiß eine Café-Betreiberin und Aktivistin. Die Rechnung von neuen Arbeitsplätzen, mit denen neue Gewerbeparks antreten, dreht sie schnell in eine weit größere regionale Jobvernichtung um.
Mit Boom und Kollaps des urbanen Konsums beschäftigt sich die österreichische Regisseurin Ulli Gladik („Natasha“) in ihrem zweiten abendfüllenden Dokumentarfilm. Hochmobil operiert sie dabei mit Personen, die im Filmverlauf immer neue Gegenstückkonstellationen einnehmen.

Shoppingcenter-Enthusiasten

Zur Aktivistin ist das etwa der Fohnsdorfer Centermanager, der nicht nur zeremoniell die Rolle eines Bürgermeisters ausfüllt. Nur die Wohnbevölkerung fehlt ihm noch, aber mit dieser Idee spielt er bereits. Der echte „Kollege“ aus Hollabrunn feiert derweil die Einweihung einer Einkaufszeile und betet vor: „Es kann nur positiv sein.“ Glauben sollte das auch der Shoppingcenter-Entwickler neben ihm, der sich noch immer vom Platzen der Blase in Osteuropa erholt.
Das Fenster in Richtung Balkan öffnet sich die Filmemacherin durch einen Prominenten: Otto Baric Junior, der Sohn der Trainerlegende, ist einer der Branchenköpfe in Kroatien, und füttert den übersättigten Markt mit weiteren Projekten. Gladik streift über farbenfrohe Eigenwerbungen, die unvermietete Geschäftsflächen verdecken, filmt tote Handelskolosse in Bulgarien. Uniform sind die Ansichten von Glas, Stahl und Beton, den ewig gleichen Marken und Verkehrsflächen, die sich nicht lokalisieren ließen, wenn nicht hie und da ein Wegweiser wäre. Sie bilden jenes „Global“ aus dem Titel, das von der Wegstrecke her gar nicht gegangen werden muss. Stattdessen tun sich mit jedem weiteren Bild Verbindungen in unmittelbare persönliche Lebenswelten auf. Parallel dazu lässt Gladik die Kritiker das Geschäftsmodell Einkaufszentrum, dessen Renditen, Politverstrickungen und Aushebelungen einschlägiger Gesetze auseinander nehmen. Mit im Zusammenhang empörenden Ansichten und Argumenten dringt unvermeidlich Polemik in „Global Shopping Village“, der sich zum umfassenden Porträt einer Branche mit einer alternativlosen Verdrängungsstrategie aufschwingt – und zu deren ebenso alternativloser Verurteilung.


Global Shopping Village
A 2014. Regie: Ulli Gladik.
Polyfilm. 80 Min.
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