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Zwei Tage, eine Nacht - 44/2014

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Wider die Perfidie der Bosse

„Zwei Tage, eine Nacht“: Die Brüder Dardenne machen es möglich, dem Lebens- und Arbeitskampf von Sandra mit Gewinn zusehen zu können. Marion Cotillard in der Hauptrolle hilft da nach Kräften mit.

| Von Otto Friedrich

Das Arbeitsleben hält, zumal in Zeiten wie diesen, existenzielle Bedrohungen bereit. Kriselnde Wirtschaft und Konkurrenzdruck führen, auf die Ebene eines Jobverlierenden heruntergebrochen, auch in die Menschenverachtung. Das ist – leider – keine neue Erkenntnis. Auch dass sich Filmemacher des Themas annehmen, bleibt verdienstvoll. Und wenn an ein entsprechendes Setting die belgischen Regie-Brüder Dardenne ihre Hände anlegen, dann ist nicht nur Filmkunst garantiert, sondern auch jede Menge verschmitzter Umgang mit einer objektiv tristen Situation.
Das ist in Jean-Pierre und Luc Dardennes neuem Opus „Zwei Tage, eine Nacht“ nicht anders: Sandra, verheiratete Mutter zweier schulpflichtiger Kinder, verliert ihren Job – denn während ihres Krankenstandes kommt ihr Arbeitgeber drauf, dass er mit 16 statt 17 Beschäftigten durchkommt. Also lässt Monsieur Dumont, der Firmenleiter, die Belegschaft darüber abstimmen, ob Sandra gekündigt werden soll oder sie ihren 1000-Euro-Bonus verlieren. Das Hemd ist näher als der Rock: Fast alle stimmen für den Rauswurf, äh: den Erhalt ihrer Boni.
Doch Sandra, aufgestachelt vom Ehemann und den letzten Getreuen im Betrieb, will sich das nicht gefallen lassen. Sie erreicht bei Dumont, dass die Abstimmung über sie nach dem Wochenende wiederholt werden kann – und zwar diesmal geheim. Zwei Tage und eine Nacht hat Sandra nun Zeit, um die Mehrheit ihrer Kolleg(inn)en davon zu überzeugen, dass sie auf ihre 1000 Euro verzichten sollen.

Überlebenskämpfe in Zeiten der Krise

Ein perfides Setting, das aber, so auch die Diagnose der Brüder Dardenne, keineswegs absurd ist: Die Ebene der Bosse verlagert die „Entscheidung“ über Sandrines Schicksal auf die Ebene der Opfer des Sparkurses. Alle brauchen die Boni, kaum eine(r) votiert aus Animosität gegen Sandra. Diese Leute muss die Protagonistin umzustimmen suchen.
Eine existenzielle Extremsituation, die von „Zwei Tage, eine Nacht“ in packendes Kino verwandelt wird: Die Zuschauer begleiten Sandra bei ihren Canossagängen zu den Kollegen und zittern mit ihr, ob sie sich den für sie lebensnotwendigen Job erhalten kann, oder ob die Kollegen nicht auf die für sie gleichermaßen lebensnotwendigen Boni verzichten wollen. Eine Lose-Lose-Situation, denn alle, die da zur Abstimmung gedrängt werden, sind keine Bösewichte, sondern Menschen wie Du und Ich – und ihre jeweiligen persönlichen Interessen und Zwänge sind nachvollziehbar und legitim, aber sie werden doch gegeneinander ausgespielt.
Grandios, wie die Dardennes diesen Konflikt eines klassischen Dramas in die alltägliche Sozialwelt anno 2014 transferieren und dabei auch die Rollen nicht klar verteilen: So wie Kolleg(inn)en nicht per se „böse“ sind, ist auch Sandra nicht einfach die „Gute“. Aber sie erweist sich als starke und an der unlösbaren Aufgabe wachsende Gestalt. Das Leben will bewältigt sein, auch wenn sich dies als Herkulesarbeit erweist.
Für die Darstellung der Sandra konnten die Regisseure niemand Geringeren als Marion Cotillard gewinnen. Die Oscar-Preisträgerin brilliert hier einmal mehr, gemeinsam mit dem Dardenne-Schauspieler Fabrizio 
Rongione, der diesmal in die Rolle von Sandras Ehemann Manu schlüpft.


Zwei Tage, eine Nacht (Deux jours, une nuit)
F/B/I 2014. Regie: Jean-Pierre & Luc Dardenne. 
Mit Marion Cotillard, Fabrizio Rongione.
Thimfilm. 95 Min.
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