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Die Ermordung des Jesse James - 43/2007

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Die Epik des Wilden Westens
„Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ oder: Wie Casey Affleck den exzellenten Brad Pitt hinter sich lässt.
Von Otto Friedrich

Er ist ein Mythos des Wilden Westens, sogar der spätere Präsident Theodore Roosevelt bezeichnete ihn als „Amerikas Robin Hood“. Sicher ist, dass Jesse James in den Wirren nach dem Sezessionskrieg eine Banditenbande befehligte, der im Mittelwesten Bank-, Post- und Zugraub sowie etliche Morde zur Last gelegt wurden. Sicher ist auch, dass ihn sein 19-jähriger Mitstreiter Robert Ford am 3. April 1882 in seiner Wohnung erschoss, und dass mit dem Tod des 34-Jährigen eine Legendenbildung ohnegleichen ihren Lauf nahm: Dutzende Filme, der erste 1921 als Stummfilm mit Jesse James’ Sohn in der Titelrolle, strickten ebenso am Mythos wie Amerikas Barden von Woodie Guthrie bis Bruce Springsteen.

Dass sich solcher Mythos und die Biografie dieses Revolverhelden längst nicht verbraucht haben, davon zeugt Andrew Dominiks Revival der Western-Saga: „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ zeigt schon im Titel eine Kurzfassung der Handlung und das, was diesen Film zuvorderst auszeichnet: epische Breite. 160 Minuten lang darf man dabei zuschauen, wie Casey Affleck als Robert Ford Hollywood-Superstar Brad Pitt alias Jesse James zur Strecke bringt.
Man hat ohnehin nicht erwartet, dass diese Adaption des gleichnamigen Romans von Ron Hansen die Historie abbildet. Der junge neuseeländische Regisseur Dominik kann in seinem erst zweiten Spielfilm bereits aus dem Vollen Hollywoods schöpfen – und hält sich ans Genre großer Western-Vorbilder: Auch ihm geht es, in einem Tableau des Wilden Westens, um Charakterstudien, um Konflikte zwischen Gut und Böse sowie zwischen schillernden Menschen, die nicht einfach als gut oder als böse zu charakterisieren sind. Man muss sich Zeit nehmen, um herauszufinden, in welch nuancenreichen Verhältnissen Robert Ford, der Junge, und Jesse James, der Berüchtigte, zueinander stehen. Kein leichtes Sehvergnügen, das ordentlich Sitzfleisch abnötigt. Western anno 2007 verlangt vor allem eines: Geduld. Doch die wird nicht nur strapaziert, sondern mit einer superben Charakterdarstellung durch Casey Affleck belohnt, der Brad Pitt – obwohl auch der seine Rolle exzellent mimt – schauspielerisch hinter sich lässt. Und dass Nick Cave und Warren Ellis die Musik dazu beisteuern, macht den Film auch zu einem Hörerlebnis.


Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford
The Assassination of Jesse James
by the Coward Robert Ford
USA 2007. Regie: Andrew Dominik.
Mit Brad Pitt, Casey Affleck, Sam
Shepard, Mary-Louise Parker.
Verleih Warner. 160 Min.
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