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Nightcrawler - 46/2014

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Wenn es Nacht wird in L.A.

„Nightcrawler“: In seinem fulminanten Regiedebüt beleuchtet Dan Gilroy, bislang als Drehbuchautor von „Das Bourne Vermächtnis“ bekannt, die dunklen Seiten der Nachrichtenbranche und ihrer Vertreter.

| Von Jürgen Belko

Während die Stadt schläft, durchstreifen sie auf der Suche nach einer guten Story die Straßen von Los Angeles: die „Nightcrawler“. Allzeit bereit und mit High-Tech-Kameras bewaffnet rücken Lou und seine Reporter-Kollegen Nacht für Nacht aus, um menschliches Leid kameragerecht in Szene zu setzen und das Filmmaterial exklusiv an den meistbietenden TV-Sender zu verkaufen. Je spektakulärer und blutiger die Bilder, desto besser.
Ein wohlhabender Weißer aus der Oberschicht, der Opfer eines afroamerikanischen Gangsters wurde, gilt in dem Subgenre des Nachrichtengeschäfts als Jackpot. Moralische Skrupel oder ein schlechtes Gewissen? Fehlanzeige. „Lou ist jemand, der sich nicht verändert, sondern sich seine Umgebung so zurechtbiegt wie es ihm passt“, charakterisiert Filmemacher Dan Gilroy seinen Protagonisten, der in „Nightcrawler“ als vielschichtige Projektionsfläche dient. Der von Jake Gyllenhaal („Prisoners“) grandios verkörperte Video-Aasgeier steht nicht nur pars pro toto für eine nach Einschaltquoten gierende Medienmaschinerie, sondern auch für die „Generation Praktikum“. Junge, motivierte Berufseinsteiger, die statt einer qualifizierten Arbeit und einem Vollzeiteinkommen ein Dasein als Hilfsarbeiter und Mindestlöhner fristen. Eine düstere Zukunftsperspektive, mit der sich Gilroys eigenbrötlerischer Freelancer nicht abfindet. „Kommunikation ist der alles entscheidende Faktor für Erfolg“, weiß Lou, der mit Vorliebe Motivationsseminar-Sprüche zitiert und für sein menschenverachtendes Geschäfts-modell adaptiert.

Hart an der Grenze zur Satire

Ein arbeitsloser Obdachloser, den er zum Firmenpartner macht, um ihn für seine Karrierepläne zu instrumentalisieren, ist für ihn ebenso nur eine austauschbare Stufe auf der Erfolgsleiter wie Rene Russo („Thor“), die als toughe Fernsehproduzentin Lous naivem Charme erliegt – bis er seiner Mentorin in Sachen Skrupellosigkeit eine Lektion erteilt.
Gilroy, der sich bisher nur als Drehbuchautor („Das Bourne Vermächtnis“) einen Namen gemacht hat, liefert mit „Nightcrawler“ ein überzeugendes Regiedebüt ab, das schonungslos die Schattenseiten der Nachrichtenbranche beleuchtet und emotional unter die Haut geht. Verantwortlich dafür ist das hart an der Grenze zur Satire entworfene Psychogramm eines Antihelden, der trotz seiner soziopathischen Charakterzüge erschreckend sympathisch wirkt. Wo vergleichbare Genrefiguren zur unfreiwilligen Selbstparodie verkommen, gibt Gilroy seinen Protagonisten nie der Lächerlichkeit preis. Bei allem Zynismus sind es gerade Lous menschliche Seiten, die einem den kalten Schauer über den Rücken jagen: sein unbändiger Wille beruflich voranzukommen und sein übersteigerter Drang nach Anerkennung.
Wie seine Hauptfigur, weiß auch Gilroy, dass schräge Persönlichkeiten und eine gute Geschichte allein zu wenig sind, um in der heutigen Mediengesellschaft zu reüssieren. Mit Kameramann Robert Elswit hat der gebürtige Kalifornier einen Meister seines Fachs gefunden, der dem rabenschwarzen Thriller auch den passenden visuellen Rahmen verleiht. Elswit, der für seine Bildkompositionen in Paul Andersons Epos „There Will Be Blood“ mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, fängt in „Nightcrawler“ mit kühler Brillanz das nächtliche Los Angeles als einen Ort der „gefallenen Engel“ ein.


Nightcrawler
USA 2013. Regie: Dan Gilroy.
Mit Jake Gyllenhaal, Rene Russo, Riz Ahmed.
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