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Österreichische Nation - 43/2007

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Subversiver Patriot
Ein Österreich-Buch, das nicht harmonisiert, sondern aufklärt und beunruhigt. Gesammelte Symposionsbeiträge zum Gedenken an Felix Kreissler.
Von Manfried Welan

Felix Kreissler, 1917 in Wien, Meidling geboren, engagierte sich früh gegen die Dollfuß-Schuschnigg-Diktatur. 1937 emigrierte er nach Frankreich. Nach dem Angriff Hitlers schloss er sich der Resistance an. Er wurde verhaftet. Seine Frau und er überlebten die Konzentrationslager. Sie konnten nach dem Krieg in Österreich und dann in ihrer Wahlheimat Frankreich ein neues Leben beginnen.

Der Germanist und Historiker wusste, wie wenig Frankreich über Österreich weiß. Er etablierte die „Österreich-Studien“ in Frankreich, gründete das CERA (Centre d’Etudes et des Recherches Autrichiennes) an der Universität Rouen und gab die Zeitschrift „Austriaca. Cahiers universitaires d’information sur l’Autriche“ heraus. Seine wichtigsten Bücher: „Der Österreicher und seine Nation“, „Kultur als subversiver Widerstand: ein Essay zur österreichischen Identität“, „Frankreich: Eine europäische Angelegenheit“ zeigen die Breite und Aktualität seiner Interessen. Er gründete eine Österreichisch-Französische Gesellschaft für kulturelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit.
Seine Schriften überzeugten mich. Am Symposium „Vertriebene Vernunft“ 1987 durfte ich ihn persönlich kennen lernen. Er überzeugte mich noch mehr. Seine Autorität und Authentizität machten ihn zum Praeceptor Austriae. Er und Friedrich Heer stehen in der Tradition der ebenso unterschiedlichen Ernst Karl Winter und Alfred Missong einerseits und Alfred Klahr andererseits. Sie standen für die Auffassung, dass Österreich sich von einer deutschen Identität zu lösen hätte bzw. sich von einer solchen gelöst hatDas Buch besteht aus den Beiträgen zum Symposion „Das andere und künftige Österreich im neuen Europa“, das aus Anlass des ersten Todestages Kreisslers am 25. Oktober 2005 am Universitätscampus Wien stattfand. Es war konzipiert als kritischer Beitrag zum so genannten „Gedankenjahr“ 2005. Im Programmfolder hieß es unter anderem: „Im heurigen Gedenkjahr, oder offiziell ‚Gedankenjahr‘ 2005 ist eine fast unüberschaubare Flut von Vergangenheitsbildern zur Zweiten Republik in Form von Ausstellungen, TV- und Filmproduktionen sowie Publikationen zu vermerken. Gleichzeitig wird eine inszenierte (Selbst)Darstellung der politischen und kulturellen Repräsentant/inn/en mit einer Marginalisierung von bislang noch immer tabuisierten oder ignorierten Themen wie Antisemitismus, Entnazifizierung, Widerstand, Verfolgung, Migration Exil, Restitution sowie österreichische Nation und Identität zugunsten bekannter Klischees vom Wiederaufbau sowie zur ‚Stunde Null‘ im Sog der Opferthese als identitätsstiftende große Erzählung sichtbar.“
Das Buch gliedert sich in Felix Kreissler (Leben und Werk); Österreichische Nation und Identität; Österreich nach der „Wende“ 2000; Exil, Widerstand und Verfolgung; Kultur als subversiver Widerstand und Österreichisches Gedächtnis. Bemerkenswert ist das Grußwort von Bundespräsident Fischer.

Kein Schlussstrich
Es gibt viele Österreichbücher. Dieses Österreichbuch harmonisiert nicht. Es klärt auf und beunruhigt. Denn es ist gegen das Vergessen gerichtet, wie es die Demokratie sein soll. Es verlangt Erinnerungs- und Nachdenkarbeit. Es gibt nämlich keinen „Schlussstrich“. Kreisslers lebenslanges Bemühen um eine in die Zukunft gerichtete Auseinandersetzung mit der Vergangenheit wird hier fortgesetzt. Die 34 Autor/inn/en verbindet mit ihm der Kampf für eine österreichische Nation ohne Nationalismus, gegen Nationalsozialismus und gegen Rassismus. Sein Beitrag „Von Lager zu Lager nach Österreich“ erzählt seinen Leidensweg. Er gehört in unsere Schulbücher. Ihm, der nach den Worten Gerald Stiegs ein französischer Citoyen und österreichischer Patriot war, haben die Autor/inn/en mit diesem Buch ein Denkmal gesetzt. Wer Kreissler kennt, wird dieses Buch gerne lesen; wer ihn noch nicht kennt, muss es lesen. Es ist eine Hommage an diesen „subversiven Patrioten“. Es soll nicht nur am Nationalfeiertag zur Hand genommen werden, sondern im Nationalalltag.


Österreichische Nation – Kultur – Exil und Widerstand
In memoriam Felix Kreissler
Hg. von Helmut Kramer, Karin Liebhart, Friedrich Stadler
Lit Verlag, Wien 2006
368 Seiten, brosch., € 29,90
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  13:49:32 07.13.2005