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Von Menschen und Pferden - 09/2015

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Von Stuten und Hengsten

„Von Menschen und Pferden“: Ein echter Isländer kann ohne Ross nicht leben. Filmische Notizen aus einem Nordland. Zumindest Kult.

| Von Otto Friedrich

Wenn sich Kolbeinn, Jung-geselle, auf den Weg zu Solveig macht, junge Witwe mit Mutter und Kind, nimmt er die Stute Grána als Transporttier. Doch die ist läufig – dementsprechend unhaltbar wird Solveigs Hengst Brúnn. Und so muss, nach absolvierten Anbahnungsbesuch, Kolbeinn auf Grána sitzend deren Begattung durch Brúnn über sich ergehen lassen. Ob das Grána beziehungsweise dem Beziehungspflänzchen, das Kolbeinn da pflegen wollte, gut bekommt?
Geschilderte Episode eröffnet den isländischen Filmspaß „Von Menschen und Pferden“, der durchaus auch hierzulande das Zeug zum Kultstatus in sich birgt. Gleich mehrere Episoden dieser Art verknüpft der isländische Theaterregisseur und Schauspieler Benedikt Erlingsson in seinem Spielfilmdebüt. Erlingsson nennt Pier Paolo Pasolini, genauer dessen „Decamerone“ oder „Canterbury Tales“, als Referenz für seinen Film – und man kann verstehen, was er damit meint.

Ein Bündel voll praller Geschichten

Ein Bündel voll praller Geschichten, die in der Einschicht Islands spielen, reiht „Von Menschen und Pferden“ aneinander. Neben dem Lokalkolorit spielen die Beziehungen der Menschen wie die Beziehungen der Menschen mit ihren Pferden die tragende Rolle des Geschehens.
Da ist Vernhardur und sein Ross Jarpur, das seinen Herrn schwimmend durch die eiskalte Nordsee zu einem russischen Fischkutter bringt, der, so hofft Vernhardur, auch Wodka geladen hat. Dass die Seeleute dann nur reinen Alkohol anzubieten haben, ficht den Landmann nicht an – aber nachdem ihn Jarpur wieder an Land geschwommen hat, bekommt das Vernahrdur ganz und gar nicht gut.
Eine Reihe von Begräbnissen arbeitet „Von Menschen und Pferden“ ab, aber auch in Island gilt: Beim Begraben Werden kommen die Leute zusammen, und so erfährt man in diesem Film, dass der gezeigte nordländische Mikrokosmos nicht wirklich menschenleer ist. Der Tod bleibt in der Kälte des Nordens gegenwärtig – aber nicht nur siegreich. Nimmt man nur den jungen Weltenwanderer Juan Camillo, der in der unwirtlichen Einöde nach Gott sucht: Sein geborgtes Pferd Old Piebald will rasten, was im aufkommenden Schneesturm alles andere als ratsam ist. Doch vor dem Sterben hat Juan Camillo eine eher grausige Idee, die jedenfalls effektiv ist – und eines von zwei Leben retten wird.
Aber die Pferde, selbst wenn sie der Menschen Freunde sind, bleiben nicht verschont. Wenn also die Menschen sterben, dann auch die Pferde. Und wenn einige von den ersteren überleben, dann sind vielleicht auch die letzteren nicht alle todgeweiht.

Überwachung auch in der Einschicht

Lakonisch, schräg und doch nicht realitätsfern agieren die menschlichen wie pferdischen Protagonisten. Dass dabei Seitenhiebe auf durchaus aktuelle Problematiken stattfinden, ergibt sich hier fast von selbst: Das Zeitalter der flächendeckenden Überwachung hat auch in diesen Gefilden längst Einzug gehalten. Bloß sind es nicht die üblichen Großen Brüder, die sich da an die Privatsphäre der Einzelnen heranmachen. Sondern ganz bodenständige Ferngläser tun es auch, mittels derer sich Herr und Frau Nachbar darüber informieren, was im Hof nebenan läuft, und ob es neben kopulierenden Pferden auch einen Kuss (oder gar mehr) bei den Menschenkindern gibt.
Benedikt Erlingsson verknüpft die Episoden des Films über handelnde Personen, und am Ende, im Herbst, finden nicht nur Pferde und Menschen, sondern auch alle einzelnen Geschichten zusammen. Dazu kommt, auch wenn der Lebenskampf im hohen Norden an „Von Menschen und Pferden“ nicht spurlos vorbeigeht, die erkennbare Empathie dem Getier gegenüber; es wäre gar nicht notwendig gewesen, in den Nachspann des Films zu schreiben, dass bei den Dreharbeiten kein Pferd zu Schaden gekommen sei: Ein Pferdehasser hätte nie und nimmer solchen Film drehen können. Und auch wenn ein Film tote Menschen zeigt, käme niemand auf die Idee, dass diese real aus dem Leben geschieden wären.
Schon die Bilder, die Bernd Erlingsson hier schafft, haben es in sich: Wie die Kamera an den Pferden Muskel für Muskel entdeckt, oder wie sich die Welt, die da gezeigt wird, in den Ross-Augen spiegelt, ist eines der kleinen Stilmittel, die an „Von Menschen und Pferden“ so besonders sind.
Nachdem der Film auf einigen kleineren Festivals reüssieren konnte, wurde er auch als isländischer Beitrag für den Auslands-oscar nominiert – ohne Erfolg. Aber dass „Von Menschen und Pferden“ auf den US-Kino-Geschmack abzielt, hätte sowieso wohl niemand behauptet. Als europäisches Autoren-kino ist dieser Film hingegen ein besonderes Gustostückerl, wo man sich nicht nur ergötzen, sondern auch etwas über isländisches (Lebens-)Gefühl erfahren kann.


Von Menschen und Pferden (Hross í oss)
ISL 2013. Regie: Benedikt Erlingsson.
Mit Ingvar E. Sigur´∂sson, Charlotte Bøving.
Polyfilm. 81 Min.
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