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zwischen - 46/2014

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Das ist noch nicht gesagt

Von Brigitte Schwens-Harrant

Manchmal ist es besser, man liest den Klappentext nicht. Wenn es etwa heißt: „Die Autorin zeichnet in ihren Geschichten das einfühlsame und unsentimentale Porträt einer jungen Generation, die ihren Platz in der Welt noch nicht gefunden hat“, dann stellt sich mindestens die Frage, ob es denn in der Welt von heute einen Platz im Singular überhaupt geben kann. Und hat nicht gerade die Literatur von jeher gerne das Leben als Reise erzählt? Und diverse Platzanweiser immer wieder in Frage gestellt?
Manchmal ist es also besser, man liest Klappentexte nicht. Sie wollen einladen, schränken dabei aber oft Inhalt und Form eines Buches ein. Das schmale Büchlein von Judith Nika Pfeifer lohnt jedenfalls einen weiteren Blick. Es versammelt kleine Prosastücke, von denen das erste, „Zwischenfall“, schon einmal innehalten lässt, oder besser gesagt: rückwärts gehen lässt. Eine ganze Bibliothek von Ilse Aichinger über Jean Genet und Gilgamesch-Epos bis zur Spieleanleitung für Mikado hat die Autorin dafür geplündert (und am Ende ihre Inspirationsquellen angegeben). Was als eigener Text herauskommt, ist bemerkenswert.
„Da ist nichts mehr zu machen, sagen welche erneut, mutlos. Ach, was wissen die schon? Lass sie in ihren Grenzen denken!“ Da wird von einer Trauerfeier nach einem Unfall mit Todesfolge zurückgespult, im Rewind-Prinzip erzählt, wie es zu diesem Ereignis nicht hätte kommen können. „Sie sind tot, aber das ist noch nicht gesagt!“
Zugegeben, der Rückspulgedanke ist nicht neu (vermutlich ein urmenschlicher Wunsch angesichts unfassbarer Verluste), das Ergebnis aber liest sich poetisch. Überhaupt erkennt man in diesem Prosaband unschwer die Spuren einer Lyrikerin. 2012 hat die 1975 geborene Autorin, die unter anderem den Reinhard-Priessnitz-Preis erhielt, im Mitterverlag ihren Lyrikband „nichts ist wichtiger. ding kleines du“ veröffentlicht. Die Kommunikations- und Sprachwissenschaftlerin, „Performance- und Sprachkünstlerin“ überschreitet gerne Grenzen: Sie arbeitet an einer interdisziplinären Doktorarbeit (Sprachwissenschaft und politische Wissenschaften) und realisiert transmediale Kunstprojekte.


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Prosa von Judith Nika Pfeifer.
Czernin 2014

109 S., geb., € 17,90
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  05:09:57 07.15.2005