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Mitten in die Kinderwelten

Von Heidi Lexe

„Manche Gedichte sind winzig klein, / können kleiner als Ameisen sein. // Manche Gedichte sind riesengroß, / größer als Elefantenpopos. // Manche Gedichte sind leise wie Schnee / oder wie Sonnenlicht auf dem See. // Manche Gedichte sind lauter als laut, / wie wenn ein Riese auf Trommeln haut.“
Mit seinem Versuch, das Wesen der Kinderlyrik zu erfassen, schreibt Georg Bydlinski sich in ebendiese ein. Das „Gedicht von Gedichten“ zählt mittlerweile zu den arrivierten Beispielen einer österreichischen Kinderlyrik, deren Tradition auf das legendäre „Sprachbastelbuch“ zurückreicht. Im Kollektiv erarbeitet und erstmals 1975 erschienen, etabliert es in der Kinderliteratur den spielerischen Umgang mit der Sprache selbst und weist Kinderlyrik als jenseits des Einschlafliedes verortete Kunstform aus. Autoren und Autorinnen wie Martin Auer, Heinz Janisch, Edith Schreiber-Wicke oder Gerda Anger-Schmidt haben diese lyrische Tradition im Sinne der ursprünglichen Generation der Sprachbastelbuchbastler variantenreich fortgeführt.

Elefantenträume

Auch Georg Bydlinski gehört dieser „Nachfolge-Generation“ an. Über 40 seiner über die Jahre hin nur noch verstreut zugänglichen Gedichte werden nun in der wunderbaren Reihe „Gedichte für neugierige Kinder“ im Verlag Boje unter dem Titel „Das Gnu im linken Fußballschuh“ herausgebracht. In handlichen, mit je einer Schmuckfarbe aufgemachten Bänden werden dabei Gedichte eines Autors publiziert; und die Aufmerksamkeit dieserart auf eine spezifische Kinderlyrik jenseits der zahlreichen Anthologien gelenkt, die ein lyrisches Angebot an ein jugendliches Zielpublikum machen, indem Beispiele der Weltliteratur neu arrangiert werden. „Gedichte für neugierige Kinder“ hingegen präsentiert jene dem Stilmittel der Einfachheit verpflichteten literarischen Beispiele, die einen sprachsensiblen Blick auf den kindlichen Erfahrungshorizont werfen. In dieser Reihe wurden zum Beispiel Mascha Kalékos Tiergedichte neu zugänglich gemacht; oder die genialen lyrischen Standpunkte des kleinen Hundes Supperguppy, die aus der Feder des niederländischen Autors Edward van de Vendel stammen. Wie dieser trifft auch Georg Bydlinski mitten hinein in die Kinderwelt und wird bei seiner Weitergabe von Elefantenträumen oder Wolkengedichten von der Illustratorin Susanne Straßer unterstützt, die ihren Miniaturen mit grüner Farbe die entsprechenden Akzente verleiht. Als Flaschenpost, Eilzustellung oder Wunschzettel verpackt werden ganz alltägliche ebenso wie zauberhafte Situationen sprachgestalterisch in den Blick genommen. Es wird danach gefragt, wer wo bei Regenwetter sitzt (die Wasserratte auf der Badematte … ), oder was man auf Bäumen alles tun kann (auf den Zweigen kann man schweigen), oder wann Freunde wichtig sind (Eigentlich immer!).

Schonungslos direkt

Viel vereinzelter zeigt sich im Vergleich dazu ein lyrisches Ich, wenn es aus der Feder von Chris-tine Nöstlinger stammt – deren Hausbuch mit dem Titel „Ein und Alles“ soeben im Verlag Nilpferd in Residenz neu aufgelegt wurde. Der Generation der ursprünglichen Sprachbastler zugehörig vertritt sie eine viel radikalere Sicht auf die kindliche Wirklichkeit und formuliert bis heute schonungslos direkt, denn: „Lirum, / Larum, / Löffelstil, / Kindheit ist kein Kinderspiel.“ Für jeden Tag des Kalenderjahres wird ein Text präsentiert, wobei eine Vielzahl einfacher Formen – vom Märchen bis zum Witz – an die Seite von lyrischen Texten gestellt werden. Von der „Rechenaufgabe unter Tränen“ über Sternezeichenreime bis hin zur erbosten Anrufung des Schutzengels reicht dabei die Bandbreite. Rat&Schlag von Frau Olga natürlich nicht zu vergessen!
Neu illustriert wird der üppige Band von Heide Stöllinger, die mit dem durchaus derben Strich ihrer Buntstiftzeichnung jenes Moment des Ungeschönten einfängt, das Nöstlingers Texten innewohnt und Kinderlyrik – ganz im Sinne der eingangs von Bydlinski so treffend formulierten Tonarten – als manchmal durchaus dissonant, immer aber als sprachgewandte Annäherung an Kindheit ausweisen.


Ein und Alles
Von Christine Nöstlinger,
Illustrationen von Heide Stöllinger.
Residenz 2014
384 S., geb., € 19,90

Wenn mein Computer kläfft, küss ich dein Rechenheft
Gedichte und -Sprachspiele
Von Georg Bydlinski
Illustrationen von Beate Fahrnländer
Razamba 2014
76 S., kart., € 11,30

Das Gnu im linken Fußballschuh
Von Georg Bydlinski, Illustrationen von Susanne Straßer.
Boje 2014
64 S., geb., € 10,30
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  19:24:20 07.20.2005