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3 Herzen - 18/2015

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Überall Liebe – und Angst

Benoît Jacquot über den Thriller „3 Herzen“, wo Catherine Deneuve an der Seite von Charlotte Gainsbourg und ihrer Tochter Chiara Mastroianni spielt.

| Das Gespräch führte Matthias Greuling

Der Film „3 Herzen“ ist eine Romanze in Moll, allerdings ohne jeglichen komischen Aspekt: Benoît Jacquot erzählt die Geschichte zweier bourgeoiser Schwes-tern aus der Provinz, die sich in denselben Pariser Finanzbeamten verlieben. Charlotte Gainsbourg und Chiara Mastroianni sind die Schwestern, Catherine Deneuve spielt die Mutter der beiden (und ist die Mutter von Mastroianni), Benoît Poelvoorde den begehrten Mann. Schon zu Beginn wummert ein bedrohliches Streicher-Ensemble aus dem Off, was die Stimmung des Films vorgibt. Ein Herzanfall des Mannes treibt die Liebesgeschichte bald in eine völlig andere Richtung. Jacquot hat einen (zuweilen etwas konstruiert wirkenden) Liebes-Krimi erzählt, in dem man sich niemals wohlfühlt, dem man sich dank seiner Besetzung aber auch nur schwer entziehen kann.

DIE FURCHE: In „3 Herzen“ kombinieren Sie Thriller und Lovestory. Wie geht das?
Benoît Jacquot: Ich bezeichne den Film als sentimentalen Thriller. Ich erinnere mich an den Satz, den Hitchcock zu Truffaut sagte für sein berühmtes Interviewbuch: Liebesszenen sind genau gleich aufgebaut wie Szenen, in denen jemand ermordet wird. Die Liebe wird im Film oft sehr tragisch inszeniert, wenn es zum Beispiel Hindernisse gibt, die eine Liebe verhindern oder unmöglich machen. Oder die Liebe wird auf komische Weise ins Licht gerückt, bei romantischen Komödien zum Beispiel. Aber Liebe kann auch angsterfüllt sein und ein beklemmendes Gefühl auslösen, zum Beispiel, wenn man jemandem seine Liebe gesteht. Dann weiß man zunächst nicht, wie diese Person darauf reagieren wird. Das kann große Angst auslösen. Jemanden zu küssen – da kann das Herzklopfen genauso unerträglich werden, wie wenn man eine Bank ausraubt. Genau das meint Hitchcock. Aber diese Erkenntnis stammt nicht von ihm. Schon Freud hatte herausgefunden, dass Angst eine der größten Quellen – und Antriebe – für die Liebe ist.
DIE FURCHE: Der Film trägt das Herz als Symbol der Liebe im Titel. Und die männliche Hauptfigur erleidet einen Herzanfall …
Jacquot: Ich glaube, dass das Herz nicht zufällig zum Symbol der Liebe wurde, weil es uns im wahrsten Sinne des Wortes antreibt. Dieses Organ hält uns am Leben, das tut die Liebe auch. Wenn man von Herzschmerz spricht, dann meint man meistens keine physische Erkrankung des Herzens, sondern spricht von Liebesproblemen. In Frankreich 
gibt es dafür auch einen Terminus: „Mal au cœur“ hat nichts mit einem Herzleiden zu tun, sondern mit seelischem Schmerz. Ursprün