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Nur eine Stunde Ruhe! - 19/2015

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Bitte, Ruhe, bitte! Ein Kampf.

Patrice Leconte inszeniert das temporeiche Boulevardstück 
„Nur eine Stunde Ruhe!“ mit einem furiosen Christian Clavier für das Kino.

| Von Matthias Greuling


Es gibt Momente im Leben, die lassen sich nicht vorausahnen, und nicht selten resümiert man am Ende eines Tages über einen Umstand, den man zu Beginn nicht einmal im Traum auf dem Plan hatte. So wie Michel Leproux (Christian Clavier aus „Monsieur Claude und seine Töchter“). Der Jazz-Fan macht früh morgens auf dem Flohmarkt eine Entdeckung: Eine seltene Schallplatte, die zu besitzen er nie zu träumen wagte. Und nun hat er sie endlich gefunden. Also schnell gekauft, das gute Stück, und dann ab nach Hause, ins großzügige City-Apartment mit ultra-fideler Hi-Fi-Anlage in der Bibliothek; die Türen zu und los geht das Hörvergnügen.

Atemberaubende 79 Minuten

Doch halt. Jetzt beginnen die Qualen von „Nur eine Stunde Ruhe!“, dem neuen Film von Patrice Leconte. Denn es finden sich tausend Gründe, weshalb Michel eben nicht diese eine Stunde Ruhe genießen kann, in der er den Tonträger anzuhören gedenkt.
Zunächst unterbricht ihn seine Frau (Carole Bouquet), später sein Sohn (Sébastien Castro), den er als Taugenichts beschimpft, und dann geht es Schlag auf Schlag: Ein osteuropäischer Schwarzarbeiter sorgt für einen Wasserschaden in Monsieur Leproux’ Badezimmer, seine Putzfrau will just jetzt mit dem Staubsaugen beginnen, seine Geliebte taucht auf, entschlossen, Michels Frau reinen Wein einzuschenken, und am Ende ist das Wohnzimmer von Leproux voll wie bei einer Party. Nur die Musik fehlt.
Was Patrice Leconte, dieser alte Schelm der Komödie, hier in knapp 79 Minuten an Tempo entfaltet, verdankt er zuallererst der wuchtigen Kraft seines Hauptdarstellers Chris-tian Clavier, der durch seine Wohnung wirbelt, als hieße er Louis 
de Funès. Überhaupt wäre eine Komödie wie diese wie gemacht gewesen für de Funès, und nicht umsonst bezeichneten französische Medien Clavier als würdigen Nachfolger des kauzigen Komikers.
Dabei ist Clavier durchaus frei von Imitationen jeglicher Art, sondern verleiht seiner Figur eine ganz eigenständige Balance zwischen Charmeur und Choleriker. Dass ein Regisseur sich bei einem Stück wie diesem soweit wie möglich zurücknehmen muss, um seinem Interpreten durch unnützes Brimborium nicht die Show zu zerstören, weiß Leconte, und begnügt sich mit einer beinahe in chronologischer Reihenfolge gedrehten Bühnenshow, die er in kinogerechte Bilder gießt.

Slapstick-Kino ohne Klamauk

Die Boulevardkomödie von Florian Zeller lässt sich dankbar in ein Slapstick-Kino verwandeln, das für seine Ausgestaltung keinerlei Klamauk benötigt. Was hier zählt, sind Rhythmus und Taktgefühl, sowie das richtige Timing bei Schauspiel und Schnitt. All das hat Leconte tadellos hinbekommen, wobei er den unfreiwillig Rastlosen letztlich als patriarchalen Egoisten enttarnt, der im Leben nichts so sehr hasst, wie die Unvorhersehbarkeit.
Auch wenn diese ihm durch den unverhofften Plattenkauf in diesem Fall beinahe eine Stunde Ruhe verschafft hätte. Fast.

Nur eine Stunde Ruhe! (Une heure de tranquillité)
F 2014. Regie: Patrice Leconte. 

Mit Christian Clavier, Carole Bouquet, Sébastien Castro. Lunafilm. 79 Min.
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