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Zweite Chance - 25/2015

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Gut gemeintes Falsch

Feel-Bad-Movie


| Von Nicole Albiez

Ein polizeibekannter Krimineller und ein verantwortungsvoller Vater stehen sich in Susanne Biers jüngstem Feel-Bad-Movie gegenüber: „Zweite Chance“ verhandelt Richtig und Falsch.
Sofus, das Baby von Tristan und Sanne, schläft in einem verdreckten Pappkarton im Kleiderschrank oder manchmal auch direkt auf dem Badezimmerboden. Haut, Haar und Kleidung, die gesamte Wohnung: Alles ist mit Fäkalien beschmiert. Wenn er weint, dann weint der Kleine mitunter stundenlang, bis jemand nach ihm sieht – zum Beispiel, wenn seine Eltern gerade wieder mit entrücktem Gesichtsausdruck auf dem Bett liegen, in einem Stillleben von Müll. Sie haben dann gerade eine frische Dosis Heroin in ihre Venen geschickt – selbst Vater Tristan, der polizeibekannte Schläger, der besonders auch vor Frauen nicht Halt macht, ist kurz mal ruhig gestellt.
Alexander, das Baby von Andreas und Anna, hat es weit besser erwischt, es wohnt in einem modernen Haus, das in ein behagliches Heim verwandelt wurde, bei bedachten, fürsorglichen Eltern, die mit sich selbst im Reinen sind und beim kleinsten Mucks ihres Kindes nach dem Rechten sehen.

In keiner besseren Welt

Die Oscar-preisgekrönte Regisseurin Susanne Bier („In einer besseren Welt“) und der renommierte Drehbuchautor Anders Thomas Jensen („Adams Äpfel“) – ein routiniertes Arbeitsduo – nutzen diesen glasklaren Kontrast, um Richtig und Falsch verschwimmen zu lassen: um Fragen der Moral zu stellen. Denn natürlich: Der verwahrlos-te Sofus hätte etwas Besseres verdient, aber steht es an Andreas, der als Polizeikommissar die üblen Umstände kennt, darüber zu entscheiden? – Besonders, wenn die Behörden nicht einschreiten dürfen, wo Sofus weder unterernährt noch krank ist? Wie weit darf man gehen, um Gutes zu tun? – Andreas („Game of Thrones“-Star Nikolaj Coster-Waldau) wird für Sofus entscheiden – aus nicht ganz uneigennützigen Gründen und in einer Situation, in der er nicht klar denken kann; eine Tat mit weitreichenden Folgen.
Bier ist berühmt für Dramen, die seelische Abgründe erkunden, Existenzielles verhandeln und unter die Haut gehen (wie ihr Dogma-Film „Open Hearts“ oder „Brothers“) – in ihrer neuen Arbeit geht die Absicht nicht ganz auf: Die Selbstjustiz von Sympathieträger Andreas, dessen Moral nach einem Schicksalsschlag geprüft wird, wollen nicht zu dem als vernünftig und überlegt gezeichneten Charakter passen; auch die konträren Familiensitua-tionen wirken zu schematisch. Die Fragen mögen tief gehen, aber zu weit hergeholt ist die holzschnittartige Versuchsanordnung in diesem reinen Feel-Bad-Movie. Das ist schade, denn Biers Gespür für Bilder, die ins Mark gehen, flackert auch hier auf: Wie Andreas seinen leiblichen Sohn zum letzten Mal sieht, ist unauslöschlich niederschmetternden.


Zweite Chance (En chance til)
DK 2014, Regie: Susanne Bier.
Mit Nikolaj Coster-Waldau, Ulrich Thomsen, Maria Bonnevie, Nikolaj Lie Kaas.
Thimfilm. 104 Min.
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