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Einer von uns - 47/2015

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Ordnung in den Regalen

DRAMA

| von Matthias Greuling


Die endlosen Weiten der Gänge in einem Supermarkt sind das visuell prägendste Zeichen von Stephan Richters Erstlingswerk „Einer von uns“: Wie die Kamera da sachte entlang schwebt an den Auslagen des Kapitalismus, der den Wohlstand sowieso und das Abenteuer im Speziellen verheißt, sieht bedrohlich aus. Es geht gar nicht um Luxusgüter, sondern um eine bunte Welt der Produktvielfalt, für die viele gar kein Geld mehr haben: „Nur eines, habe ich gesagt: Mia haben ka Geld“, hört man einen Vater sagen, als ihm sein kleiner Sohn noch extra Süßigkeiten ins Wagerl legen will.
Der Supermarkt ist so etwas wie die stoische Hauptfigur in diesem minimalistischen Drama, das auf einer wahren Begebenheit basiert: 2009 wurde in der Peripherie von Krems ein 14-jähriger Teenager von einem Polizisten erschossen, obwohl der junge Bursch unbewaffnet war.
Der Einbruch ergab sich aus einer Laune heraus, denn in den Kleinstädten des Landes gibt es für Heranwachsende kaum attraktive Freizeitmöglichkeiten, zumindest nicht für solche, um die sich sonst auch kaum jemand kümmert. Abhängen am Supermarkt-Parkplatz mit ein bissl Kiffen und Saufen, das ist schon was. Das ist cool.

Permanente Panik und Hysterie

In Richters Film findet die Perspektivenlosigkeit der Hauptfiguren Julian und Marko ihre Entladung in einem Spaßeinbruch, bei dem die Kids nicht einmal etwas stehlen. Zugleich kumuliert hier auch die Überreiztheit der Exekutive, die sich dank überlebensgroßer Bedrohungsszenarien nun schon vor unbewaffneten Teenagern zu Tode fürchtet, in einem dummen Akt purer Verzweiflung. Ein Vorfall, der beinahe schon symptomatisch steht für eine Welt, in der permanent die Panik und Hysterie herrscht, es könne überall und jederzeit etwas Schreckliches passieren.
Genau diese Form der Action ist für die desillusionierten Kinder vom Stadtrand eigentlich der Kick, den sie suchen. Dass man dabei sterben kann, hat ihnen niemand erzählt. Wie auch? Dieses kippende Gesellschaftsgefüge ist ja irgendwie noch ziemlich neu.
Regisseur Richter lässt seinen jugendlichen Darstellern Jack Hofer und Simon Morzé die nötige Zeit, um Präsenz zu entwickeln. Der Trumpf des Films ist aber Casting-Direktor und Regisseur Markus Schleinzer („Michael“), der in der Rolle des Filialleiters ganz bravourös zwischen Strenge und Selbstzweifeln pendelt. Es soll Ordnung herrschen auf der Welt, findet er. Zumindest zwischen seinen Regalen. Genau das bringt schließlich das Chaos. Eigentlich ganz wie im echten Leben.


Einer von uns
A 2015. Regie: Stephan Richter. 
Mit Jack Hofer, Simon Morzé, Markus Schleinzer.
Filmladen. 86 Min.
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