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Die Frau im Dunkeln - 45/2007

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Doppelt blind
Von Sylvia M. Patsch

Die erfolgreiche Schriftstellerin Elena Ferrante ist Neapolitanerin und weiß, dass besonders im Süden ihres Landes bis weit ins 20. Jahrhundert hinein Frauen nur als Mütter und Ehefrauen mit Kochkünsten geschätzt wurden. Selbstverwirklichung? Ein Fremdwort.
Die Protagonistin ihres neuen Romans „Die Frau im Dunkeln“ steht an einem Wendepunkt, hat sie doch durch ein Studium der Anglistik die Chance gehabt, aus dem Schatten ihrer Mutter und Großmutter herauszutreten. Bis sie selber Kinder bekommt und in die Zwickmühle gerät zwischen den Bedürfnissen ihrer kleinen Töchter und ihrem brennenden Wunsch, ihre wissenschaftliche Laufbahn fortzuführen.
„Die Hoffnungen aus der Jugend schienen allesamt gestorben, ich hatte den Eindruck, zu meiner Mutter, zu meiner Großmutter zurückzufallen, in die Reihe stummer, grimmiger Frauen, von denen ich abstammte.“ Die Folge ist Frustration, Lustlosigkeit, Erlöschen erotischer Wünsche. Sie verlässt Mann und Kinder, kehrt erst nach drei Jahren zu ihnen zurück.

Frauenromane handelten früher von der weiblichen Sehnsucht nach dem idealen Partner. War dieser (scheinbar) gefunden, war der Roman auch schon zu Ende. Elsa Ferrante schafft Spannung, indem sie ihre Ich-Erzählerin in eine Situation versetzt, in der sie gezwungen wird, auf ihre gescheiterte Ehe und die Entfremdung von ihren Töchtern zurückzuschauen: Eine junge Frau, die sie während eines Strandurlaubs kennenlernt, erbittet von ihr Rat, denn sie befindet sich in einer ähnlichen Lage wie die Ich-Erzählerin vor Jahren. Die Ältere gibt zwar Ratschläge, tut aber der Jungen etwas Absurdes an – und weiß nicht warum. Statt dem Töchterchen der jungen Frau seine am Strand verlorene Puppe zurückzugeben, nimmt sie sie an sich – mit verstörenden Folgen für das Kind. Unbegreiflich bleibt ihr diese Tat – und unbegreiflich auch dem Leser.
Das Dilemma gut ausgebildeter Frauen, die ungern ihren Beruf mit Haushaltsroutine und Kinderaufzucht vertauschen, ist bekannt. Der Roman schildert wortreich die Schuldgefühle dieser Frau, deren beruflicher Ehrgeiz sie in ihrer Rolle als Partnerin und Mutter scheitern lässt.
Diese Frau ist doppelt blind: Sie erkennt nicht, dass sie nicht lieben kann. Blind ist sie auch für die Tatsache, dass ihre Begabung mittelmäßig ist und die mangelnde Zuwendung zu ihren Kindern nicht aufwiegt.
Ein wichtiges Thema, doch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich um Bruchstücke einer Konfession handelt, die Wehleidigkeit und Selbstmitleid hinter Wortkaskaden verbergen möchte. Eine vertane Chance.


Die Frau im Dunkeln
Von Elena Ferrante
Aus dem Ital. von Anja Nattefort
Deutsche Verlags-Anstalt, München, 2007
173 Seiten, geb., € 17,50
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