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Aus dem Beinahe-Nichts - 46/2007

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Ins Nichts fallen?
Johannes Weinberger schrieb ein Erwachsenenmärchen oder dessen Dekonstruktion.
Von Markus Hildenbrand

Der junge Autor und Musiker Johannes Weinberger hat sich in seiner jüngsten Publikation der Gattung des Erwachsenenmärchens verschrieben, vielleicht auch dessen Dekonstruktion. „Aus dem Beinahe-Nichts“ ermöglicht unterschiedliche Lesarten und viele intertextuelle Krümelspuren (von „Alice im Wunderland“ bis zum „Kleinen Prinzen“) führen den Leser auch bewusst in die Irre. Zudem gibt es kaum eine wesentliche ontologische Frage, die hier – so spielerisch wie beiläufig – nicht gestreift würde. Einen Lektürehinweis mag immerhin die Gestaltung des Schutzeinbandes geben, der – als mögliche Schattenversion von Kubricks Sternenkind – das kreisförmige Ultraschallbild eines menschlichen Fetus zeigt.

Jenseits der Zukunft
Die Erzählung und die darin aufgerufenen Bilder folgen der Logik des Traumes. Hauptfigur ist ein werdender Vater, der – gefangen in seiner „Schachtel der Wirklichkeit“ – sich zwar in vertrauter Umgebung befindet, doch plötzlich von Wesen aus dem „Beinahe-Nichts“ heimgesucht wird, einem Ort des Ursprungs und jenseits der Zukunft, „stumm und kühl am Tag“ doch „kalt und voll des Getöses geflüsterter Versprechen in der Nacht.“ Sprechende Tiere und surreale Frauenfiguren konfrontieren den Erzähler mit seinen Ängsten und (sexuellen) Obsessionen, doch jagen ihm diese Kubin’schen Gestalten weniger Schrecken ein als das gespensterhafte Doppelwesen der eigenen Ehefrau, die ihm am Küchentisch frühstückend erscheint: „… Mensch, Mensch, flüstere ich panisch, als könnte ich damit noch alles rückgängig machen, das blinde, sture Werden des Geschöpfs, das mich ersetzen wird, aufhalten …“

Scheitern unausweichlich
Das Scheitern ist so unausweichlich wie der Tod, und den Rat des Wolfes, „alles anders zu machen“, kann die Erzählerfigur nicht für sich verwenden, gibt ihn aber an den noch ungeborenen Sohn weiter. Diese beinharte existenzialistische Sichtweise wird jedoch spielerisch durchbrochen, als sich der Protagonist seines Figur-Seins bewusst ist. Sein vermeintlich freier Wille ist vom Autor bestimmt, doch bleibt eine nagende Ungewissheit: „Werde ich einfach über die Kanten der letzten Seite ins Nichts fallen?“


Aus dem Beinahe-Nichts
(Ein Märchen) von Johannes
Weinberger
Luftschacht, Wien 2007
120 Seiten, geb., € 16,40
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