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Die Kommune (Kollektivet) - 16/2016

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„Ein Opfer ihrer eigenen Ideale“

In „Die Kommune“ erzählt Thomas Vinterberg vom wilden Leben der 1970er Jahre. Trine Dyrholm glänzt als betrogene Ehefrau: Die Schauspielerin über ihre erneute Kooperation mit dem dänischen Regisseur.


| Das Gespräch führte Matthias Greuling

Wenn jemand vom Kommunenleben der 1970er berichten kann, dann ist das Thomas Vinterberg: Der dänische Regisseur hat seine Kindheit in einer solchen Wohngemeinschaft verbracht, und diese Erfahrung dient ihm nun als Basis für seinen neuen Film „Die Kommune“, zu dem es 2011 bereits ein theatralisches Vorspiel am Wiener Akademietheater gab.
Vinterberg inszeniert die Theaterfassung mit der Dänin Trine Dyrholm in der Hauptrolle, die bei der Berlinale dafür als beste Darstellerin mit einem Silbernen Bären geehrt wurde. Dyrholm spielt Anna, die ihrem bürgerlichen Leben entfliehen und eine Kommune gründen will. Ihr Mann Erik (Ulrich Thomsen) ist zunächst skeptisch, gibt dem Drang seiner Frau aber nach. Mitbewohner sind rasch gefunden, und als Erik sich in eine junge Studentin verliebt, soll sie am besten gleich mit in die Kommune ziehen. Das schlägt zumindest Anna vor, die damit ihre seelische Demontage einleitet.
Die Konflikte in diesem leichtfüßig erzählten Drama sind also gelegt, der Rest ist eher Schauspielkunst denn hintergründige Inszenierung. Vinterberg gibt seinen Figuren viel Raum, weil er ohne sie kaum etwas zu erzählen hätte. Angenehm ist freilich, dass der Regisseur so manches Kommunen-
Klischee auslässt oder zumindest nur in Ansätzen bedient.

DIE FURCHE: Thomas Vinterberg und Sie drehten 1998 den Film „Das Fest“. Wie war die Zusammenarbeit nach 18 Jahren?
Trine Dyrholm: Es fühlte sich an, als ob es gestern gewesen wäre. Klar, wir haben uns optisch verändert, haben mehr Gewicht und unsere Haut sieht älter aus, aber wir haben dafür viel mehr Erfahrungen gemacht, auch beruflich. Die Arbeit wird dadurch nuancierter und tiefgründiger.
DIE FURCHE: In einer Schlüsselszene gesteht Ihnen Ihr Film-Ehemann, dass er eine andere Frau kennen gelernt hat. Sie sagen zu ihm, dass das völlig okay wäre, aber Ihr 
Gesicht sagt etwas ganz anderes. Ein großartiger Moment, dieser Subtext?
Dyrholm: Anna steckt in einem Dilemma, denn sie lebt zu einer Zeit, in der es sehr modern war, ein Freigeist zu sein. Damals galt man als sehr altmodisch, wenn man mit einer offenen Beziehung nichts anfangen konnte. Viele Frauen standen unter Druck, weil sie diese Beziehungsform nicht wirklich mochten, es aber nicht sagen konnten, weil man das damals eben mögen musste. Dieses Dilemma habe ich versucht, in dieser Szene zu verbildlichen. Ich finde es sehr spannend, wenn man in einem Film ganz kurz in den Augen einer Figur bereits sieht, wie die Geschichte ausgehen wird – ohne das Ende allerdings zu verraten.
DIE FURCHE: Wie stellen Sie so etwas her?
Dyrholm: Wenn der Regisseur „Action!“ ruft, sage ich mir selbst: Ich weiß nicht, was jetzt passieren wird. Damit schaffe ich mir flexiblen Spielraum, irgendwie. Obwohl man ja sehr genau weiß, wie die Szene ausgehen soll. Das ist ein kleiner Moment, in dem ich mich selbst austrickse: Das hilft mir, besser zu spielen. Jeder von uns hat in sich andauernd mehrere Konfliktebenen. Manchmal ist man nicht nur wütend, sondern zugleich genervt, manchmal freudig, aber auch ängstlich. Deshalb ist es wichtig, dass man Figuren nicht eindimensional anlegt, indem man nur Wut oder Angst spielt. Es gehört immer mehr dazu, um dem komplexen Leben einer Figur gerecht zu werden.
DIE FURCHE: Geht Ihr Interesse am Schauspielerberuf auch über das reine Darstellen hinaus?
Dyrholm: Ich mag es, mich am kreativen Prozess zu beteiligen. Hier versuchte ich, Thomas Vinterberg zu helfen, die Figur der Anna zu schärfen. Ich liebe Kontraste, und so versuche ich, meinen Figuren kleine Brüche zu geben; subtile Dinge einzuarbeiten, an denen man sie verstehen lernt. Bei Anna hatte ich ein wenig Angst, dass sie zu sehr als Opfer dasteht, das in Selbstmitleid versinkt. Deshalb gab ich ihr mehr Stärke in der Performance. Schließlich ist sie diejenige, die ursprünglich die Idee zu der Kommune hatte, weil sie sich nach Abwechslung sehnte. Ich mag Figuren, die in gewisser Weise Mitschuld tragen an der Entwicklung, die sie nehmen. Anna wird zum Opfer ihrer eigenen Ideale und zerbricht daran.

Die Kommune (Kollektivet)
Regie: Thomas Vinterberg. 

Mit Trine Dyrholm, Ulrich Thomsen, Helene R. Neumann. 

Polyfilm. 112 Min.
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