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Chevalier - 18/2016

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Spiele männlicher Konkurrenz

Gefangen im modernen Evaluationswahn: Der Film „Chevalier“ verbindet Systemkritik
mit ironischem Humor.


| Von Alexandra Zawia

Für die Dauer eines mehrwöchigen Boots-trips im Mittelmeer versammelt die griechische Regisseurin Athina Rachel Tsangari in ihrem neuen Spielfilm „Chevalier“ sechs Männer auf einer Yacht: Der ältere, gut situierte Gentleman, ein Arzt und von den anderen deswegen nur als „Doktor“ bezeichnet (Yorgos Kentros); der Thirtysomething und etwas mollige , kindische Dimitris (Makis Papadimitriou); sein älterer Bruder Yannis (Yorgos Pirpassopoulos), der auch der Schwiegersohn des Doktors ist; der gutaussehende und sportliche Christos (Sakis Rouvas); und die beiden Arbeitskollegen Josef Nikolaou (Vangelis Mourikis) und Yorgos (Panos Koronis).
Diese gruppendynamisch ohnehin etwas sperrige Truppe gerät nach einem Motorschaden in akute Not: Wie am besten miteinander auskommen, während sich die Reparatur schier endlos hinzieht?

Approbation des Selbstbilds

Sie beginnen also einen Wettkampf: In den folgenden Tagen soll jeder vom anderen jeweils dahingehend bewertet werden, was ihn zum Besten der Gruppe – „The best in general“ – macht: Aussehen, Charaktereigenschaften oder diverse sonstige Fähigkeiten wie zum Beispiel ein Ikea-Regal zusammenbauen, der Partnerin am Telefon maximale Liebesgeständnisse abringen, am schönsten schlafen oder die längste Erektion halten. Aber auch Kleidungsstil und Blutfettwerte gilt es vor den anderen nun zu jedem Zeitpunkt im besten Licht zu präsentieren. Am Ende wartet die Ehrung durch einen Ring, die Verleihung des Titels „Chevalier“ – sowie die Approbation des übersteigerten und sozial immer noch permanent bestätigten Selbstbilds.
Regisseurin Tsangari, die mit „Attenberg“ (2010) von einer jungen Frau mit Menschenphobie und (so schlägt es der Film vor) einem in der griechischen Gesellschaft eingeschriebenem Vaterkomplex und seinen tiefgreifenden patriarchalischen Strukturen erzählte, greift mit „Chevalier“ politisch weiter. Seinen ironischen Humor bezieht der Film nicht nur aus der Thematisierung männlichen Konkurrenzdenkens, sondern auch aus der Implikation, dabei über hierarchische Systeme ganz allgemein zu sprechen. Und darüber, wie man ihre Schwachstellen für sich ausnützen kann, hat man einmal verstanden, wie man die Ehre, den Stolz und die Macht eines anderen dekonstruieren kann, um sie schleichend auf sich selbst zu übertragen.
„Chevalier“ spielt seine Allegorie auf ein marodes System dementsprechend zweideutig und sehr zurückhaltend durch: Von vermeintlich autarken Subjekten werden die Männer nicht zuletzt durch die gegenseitige Beurteilung zu einem dem Reglement unterworfenen Objekten, die in einem System manövrieren, das sie – kaum haben sie es selbst etabliert – auch schon wieder zu korrumpieren und unterwandern suchen. Dabei gleicht ihr Spiel selbst eher dem modernen Evaluationswahn als einem archaischen Arenakampf. Hier werden Notizbücher gezückt, feinsäuberliche Eintragungen über heimliche Beobachtungen gemacht. Das ist kein simples, kein rein physisches Kräftemessen, es ist vor allem eine biografische Bilanzierung – „the Survival of the Image“.


Chevalier
GR 2015. Regie: Athina Rachel Tsangari. 

Mit: Yorgos Kentros, Panos Koronis, Vangelis Mourikis.
Stadtkino. 105 Min.
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